Windkraft ist die wichtigste Quelle der Stromerzeugung in Deutschland. 2025 waren die Anlagen für 32 Prozent des Nettostroms verantwortlich. Ein Teil davon stammt aus Bürgerwindparks: Energieprojekte, bei denen die Menschen vor Ort mitreden, entscheiden und verdienen können. Diese Webreportage nimmt die Energiewende vor der Haustüre unter die Lupe. Wer und was steckt dahinter? Was sind Vor- und Nachteile? Und wie genau funktioniert überhaupt Windkraft?
Video: "Wust - Wind und Sonne"
Fotos: "Wust - Wind und Sonne" (1), Philipp Wohlfart (2, 3, 4, Hintergrund)
Fotos: Philipp Wohlfart (1, 2, 5), "Wust - Wind und Sonne" (3, 4)
Was steckt hinter dem Konzept Bürgerwindpark? Um dieser Frage möglichst genau auf den Grund zu gehen, blicken wir exemplarisch auf den Bürgerwindpark Frankenhöhe. Seit 2024 sind die vier Windräder in Betrieb - direkt in der Region im Landkreis Ansbach und im Landkreis Neustadt a. d. Aisch/Bad Windsheim.
Foto: Philipp Wohlfart
Das Projekt wird auch Bürgerwindenergie (BWE) Frankenhöhe genannt. Im Grunde handelt es sich dabei um jeweils zwei Windkraftanlagen auf dem Gemeindegebiet von Dietenhofen (Lk. Ansbach) und Neuhof a. d. Zenn (Lk. Neustadt a. d. Aisch/Bad Windsheim).
Im November 2024.
Der Bürgerwindpark Frankenhöhe hat 445 sogenannte Kommanditisten. Die Bürgerinnen und Bürger aus Neuhof a. d. Zenn, Dietenhofen und Umgebung haben jeweils mindestens 5.000 Euro investiert und sind Teil der Gesellschafterversammlung.
Die Firma "Wust - Wind und Sonne" aus Markt Erlbach begleitet das Projekt kaufmännisch, technisch und organisatorisch.
Es handelt sich um vier moderne Windkraftanlagen des Modells Vestas V162/6.2 mit einer Nabenhöhe von 169 Meter, mit Rotor 250 Meter. Die Nennleistung liegt bei etwa 6,2 Megawatt. Laut Ertragserwartung liegt die jährliche Stromproduktion pro Windrad bei rund 12 Millionen kWh.
Nadine Paulus ist Mitgeschäftsführerin des Unternehmens „Wust – Wind und Sonne“ - Initiator des Bürgerwindparks Frankenhöhe. Die Firma steht für Erneuerbare Energien aus Wind- und Sonnenkraft, erzeugt in Bürgerenergieanlagen. Gegründet wurde es 2009 in Markt Erlbach von Paulus‘ Vater Erich Wust. Die Geschäftsführung bildet sie mit ihm, Ehemann Stefan Paulus und Bruder Dr. Bernd Wust, 47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden aktuell beschäftigt. Wir haben Nadine Paulus, die auch für die Bündnis 90/ Die Grünen im Gemeinderat Markt Erlbach sitzt, im Büro des Unternehmens zum Interview getroffen.
Foto: Philipp Wohlfart
Der Bürgerwindpark Frankenhöhe hat 445 sogenannte Kommanditist:innen. Sie sind finanzielle Teilhaber der Betreibergesellschaft "BWE Frankenhöhe GmbH & Co. KG". Die Bürger:innen leben alle im Umkreis von zehn Kilomatern um Neuhof a. d. Zenn und Dietenhofen. Sie haben jeweils mindestens 5.000 Euro in den Windpark investiert und sind Teil der Gesellschafterversammlung. Unabhängig von der Investitionssumme hat jede:r nur eine Stimme. Die Versammlung trifft sich mindestens ein Mal im Jahr. Dabei kommt es auch zur Ausschüttung, die über die 20 Jahre Laufzeit im Schnitt bei sechs Prozent liegt.
Wir haben vier Kommanditisten zu ihren bisherigen Eindrücken zum Projekt befragt. Ihre Antworten sind über die Karte zu finden.
Am Fuße des Windrads: Blick ins Innere der Anlage. Foto: Philipp Wohlfart
Im Innenraum: Dominik Zoll von der Technischen Betriebsführung führt durch eines der Windräder bei Neuhof a. d. Zenn. Foto: Philipp Wohlfart
Die Mittelspannungsschaltanlage ist die zentrale technische Schnittstelle im Turmfuß, die den erzeugten Strom nach dem Transformator schaltet, absichert und an das öffentliche Stromnetz weiterleitet.
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Über ein kleines Terminal haben die Techniker alle Daten im Blick.
Foto: Philipp Wohlfart
Der Blick nach oben: Bis zur Nabe messen die Vestas-V162/6.2-Anlagen 169 Meter.
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Treppe oder Aufzug: Um in der Gondel arbeiten zu können gibt es zwei Wege nach oben.
Foto: Philipp Wohlfart
Die Gondel mit Generator, Getriebe und mehr.
Foto: Wust - Wind und Sonne
Hintergrundfoto: Philipp Wohlfart
Rainer Erdel ist Landwirt, Kommunalpolitiker und ehemaliger Erster Bürgermeister des Marktes Dietenhofen. In seiner Heimatgemeinde war er zunächst Gemeinderat, anschließend Zweiter und zwölf Jahre Erster Bürgermeister. Von 2009 bis 2013 gehörte er dem Deutschen Bundestag (FDP) an. Früh setzte er sich für erneuerbare Energien ein und initiierte bereits 1993 gemeinsam mit Landwirten eines der ersten Biomasse-Heizwerke Bayerns. Unter seiner Führung entstand der Bürgerwindpark Frankenhöhe.
Foto: Philipp Wohlfart
Aktuell wird die geplante Reform des EEG von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche diskutiert. Damit soll der Ausbau von Wind- und Solaranlagen besser an die Netzkapazitäten angepasst und Kosten gesenkt werden. Die ursprünglichen Pläne sahen unter anderem den Wegfall der Entschädigungen bei Netzengpässen vor, wollten den Regionalbonus für windschwächere Standorte massiv abbauen und deckelten die Pachtkosten für Windkraftanlagen strikt auf maximal 2,5 Prozent des Jahreserlöses. Zudem sollte die Förderung kleiner, privater Solaranlagen gestrichen werden.
26 Jahre nach Start des EEG bedeuten die Vorschläge schwerwiegende Einschnitte, etwa für Betreiber Erneuerbarer-Energie-Anlagen. Verbände wie der Bundesverband Windenergie (BWE) und die Opposition üben deshalb harsche Kritik. Sie fürchten, dass die Energiewende dadurch ausgebremst wird. Mit Blick auf Bürgerenergiegesellschaften und -genossenschaften würde das die Umsetzung neuer Projekte erschweren.
Am 17. Juli 2026 legte Reiche einen überarbeiteten Reform-Entwurf vor und entschärfte darin die ursprünglichen Pläne. Auch dieser stößt auf heftige Kritik und breite Ablehnung bei Verbänden, die eine Gefährdung der Energiewende, unzureichende Übergangsfristen sowie unzureichende Beteiligungsmöglichkeiten bemängeln. Die EEG-Novelle würde ab dem 1. Januar 2027 greifen und soll am 29. Juli 2026 im Bundeskabinett beschlossen werden.
Das Thema ist hochkomplex. Im Folgenden befassen wir uns mit kritischen Stimmen rund um Erneuerbare, Windenergie und Bürgerwindparks. Wir zeigen aber auch die Pro-Wind-Perspektive. Zudem soll ein Experte das Thema einordnen.
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Po Wen Cheng lehrt und forscht an der Universität Stuttgart. Am Institut für Flugzeugbau ist er Leiter des Lehrstuhls für Windenergie. Bevor er die Aufgabe 2011 übernahm, war er viele Jahre beim Energiekonzern General Electric leitender Ingenieur für die Technologie-Entwicklung von Windenergieanlagen.
Der Experte weiß, was Windkraft kann, kennt aber auch ihre Schwächen im Vergleich zu anderen Energieformen. Er ordnet das Konzept Bürgerwindparks ein und spricht über Windenergie.
Fotos: Philipp Wohlfart
Flugblatt gegen Windkraft: Unter anderem auf diesem Handzettel haben die Gegner des Bürgerwindpark Frankenhöhe ihre Sorgen aufgeschrieben.
Windkraft ist die wichtigste Stromquelle Deutschlands, doch ihr Ausbau sorgt immer wieder für erhitzte Gemüter: Zum einen auf der politischen, wirtschaftlichen und technischen Ebene. Zum anderen am Stammtisch, in Bürgerversammlungen oder in den sozialen Medien. Auch im Fall des Bürgerwindparks Frankenhöhe hat sich eine Gruppe gegen das Projekt positioniert. Dietenhofens ehemaliger Bürgermeister Rainer Erdel sagt, ihm seien 80 Personen bekannt gewesen. Die Gegner verteilten unter anderem auch Flugblätter im Ort.
Wir wollten die Gruppe zu ihren Sorgen und ihrer Position befragen. Dafür hatten wir bei zwei der Hauptmitglieder Interviews angefragt und auch eines geführt. Eine Veröffentlichung in der Fränkischen Landeszeitung wurde jedoch schlussendlich abgelehnt.
Bei weitem nicht nur die Gegner-Gruppe in Dietenhofen beschäftigt rund um Windkraft einige Bedenken: Die Vögel sterben, der Infraschall macht krank, der Lärm raubt Schlaf, der Schattenwurf nervt, und für die Anlagen wird wertvoller Wald geopfert. Viele dieser Aussagen kursieren seit Jahren und werden selten hinterfragt. Doch was ist an diesen Vorwürfen dran? Wo beruhen die Ängste auf handfesten Zahlen und wissenschaftlichen Erkenntnissen? Und wo auf gefühlten Wahrheiten, Halbwissen oder schlicht Vorurteilen? Wir haben eine Auswahl der gängigsten Behauptungen rund um die Windkraft mit Studien, offiziellen Messwerten und Einschätzungen von Experten abgeglichen. Das Ergebnis zeigt: Manche Sorgen sind berechtigt, andere lassen sich mit Fakten klar entkräften.
Hinweis: "Wust - Wind und Sonne" - Geschäftsführerin Nadine Paulus ist in diesem Zusammenhang befangen. Sie spricht für ein Unternehmen, das Wind- und Solarenergieprojekte umsetzt. Auch zum mächtigsten Interessenverband der Windbranche, dem Bundesverband Windenergie, hat sie klare Verbindungen. Paulus’ Bruder, Dr. Bernd Wust, ist Landesvorsitzender des BWE in Bayern. Zudem engagiert sie sich, wie auch ihr Mann und Co-Geschäftsführer Stefan Paulus, bei Bündnis 90 / Die Grünen in Markt Erlbach. Das Interview bildet die interessengeleiteten Positionen von Nadine Paulus ab. Es steht aber auch stellvertretend für viele Stimmen, die Erneuerbare und Windkraft gutheißen.
Foto: Philipp Wohlfart
Verantwortliche im Sinne des § 55 Abs. 2 Rundfunkstaatsvertrag
Beigelbeck, Jan; beigelbeck22804@hs-ansbach.de, Alfred-Delp-Weg 5, 89520 Heidenheim
Wohlfart, Philipp; wohlfart22909@hs-ansbach.de, Stifterweg 2, 91522 Ansbach
Mack, Linus; mack23011@hs-ansbach.de, Schäfflerbachstraße 9, 86153 Augsburg
Credits:
Drohnenshots und Teile der Fotos: "Wust - Wind und Sonne"
Danksagung:
Wir bedanken uns bei allen Beteiligten insbesondere der Firma "Wust - Wind und Sonne", Rainer Erdel und Po Wen Cheng für die Zusammenarbeit.
Ein Projekt der Hochschule Ansbach, Studiengang Ressortjournalismus (Fach "Projekt Crossmedia"), und https://www.flz.de, das Online-Portal der Fränkischen Landeszeitung.