Hunde begleiten den Menschen seit Jahrtausenden. Was früher vor allem mit Jagd, Bewachung oder dem Schutz von Herden verbunden war, hat sich vielfältig weiterentwickelt.
Heute übernehmen Hunde ganz unterschiedliche Aufgaben und arbeiten in vielen Bereichen eng mit Menschen zusammen. Ihre besonderen Fähigkeiten – etwa ihr ausgeprägter Geruchssinn, ihre Lernfähigkeit, ihre Aufmerksamkeit sowie ihre enge Bindung zu Personen, machen sie zu wertvollen Partnern in zahlreichen Berufen und Tätigkeitsfeldern.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Aufgaben wie die eines Wach- oder Jagdhundes.
Sie unterstützen Menschen im Alltag, helfen in schwierigen Situationen oder leisten einen wichtigen Beitrag in sozialen, medizinischen und sicherheitsrelevanten Bereichen. Hinter jeder dieser Aufgaben steckt eine intensive Ausbildung. Denn ein Hund muss nicht nur bestimmte Fähigkeiten besitzen, sondern auch zuverlässig mit seinem Besitzer als Team zusammenarbeiten.
Blindenführhunde ermöglichen Menschen mit einer Sehbehinderung mehr Selbstständigkeit und helfen ihnen, sich im Alltag besser zurechtzufinden. Dafür lernen die Hunde, Hindernisse zu erkennen, Wege zu führen und Gefahren einzuschätzen. Ihre Ausbildung gehört zu den bekanntesten Formen der Assistenzhundearbeit und ist in Deutschland rechtlich besonders geregelt.
Neben Blindenführhunden gibt es zahlreiche weitere Assistenzhunde, die Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen unterstützen.
Psychosoziale Assistenzhunde, kurz PSB-Assistenzhunde, begleiten Menschen mit psychischen oder psychosozialen Beeinträchtigungen. Sie können im Alltag Sicherheit geben, bestimmte Situationen erleichtern und ihren Menschen dabei unterstützen, selbstständiger am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Einführung der Assistenzhundeverordnung hat erstmals einheitliche Regeln für Ausbildung, Anerkennung, Kennzeichnung und Rechte von Assistenzhunden geschaffen.
Sie arbeiten vor allem im sozialen Bereich und begleiten Fachkräfte in Einrichtungen wie Schulen, Pflegeheimen oder bei therapeutischen Angeboten. Ihre Anwesenheit kann Menschen motivieren, beruhigen und den Zugang zu Lern- und Therapieprozessen erleichtern. Dabei steht nicht eine konkrete Hilfeleistung wie bei Assistenzhunden im Vordergrund, sondern die positive Wirkung der Begegnung zwischen Mensch und Tier.
Rettungshunde übernehmen verantwortungsvolle Aufgaben. Sie kommen zum Einsatz, wenn Menschen vermisst werden oder in Not geraten sind. Durch ihren außergewöhnlichen Geruchssinn können sie Personen aufspüren, die für Menschen nur schwer oder gar nicht auffindbar wären. Ob bei der Suche in Trümmern, in unwegsamem Gelände oder bei anderen Einsätzen: Rettungshunde arbeiten eng mit ihren Hundeführern zusammen und müssen sich aufeinander verlassen können.
So unterschiedlich diese Bereiche auch sind, eines verbindet alle speziell ausgebildeten Hunde: Ihre Fähigkeiten allein reichen nicht aus. Entscheidend ist die Ausbildung und das Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund. Vertrauen, Kommunikation und regelmäßiges Training bilden die Grundlage dafür, dass Hunde ihre Aufgaben zuverlässig erfüllen können.
Diese Webreportage zeigt, wie vielseitig die Arbeit von Hunden sein kann – von der Unterstützung einzelner Menschen im Alltag über den Einsatz in sozialen Einrichtungen bis hin zu Situationen, in denen ihre Fähigkeiten lebenswichtig werden können. Gleichzeitig wird deutlich, welche Verantwortung mit diesen besonderen Aufgaben verbunden ist und warum klare Regeln und eine gute Ausbildung eine entscheidende Rolle spielen.
Damit ein Hund offiziell als Assistenzhund gilt, reicht die Ausbildung allein nicht aus. Der Hund muss anerkannt werden – und genau dafür ist in Bayern aktuell das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) Region Unterfranken in Würzburg zuständig.
Warum diese Aufgabe beim ZBFS liegt, erklärt Sachbearbeiter für die Assistenzhunde, Georg Dopf folgendermaßen:
Die Behörde ist bereits für viele Themen rund um Behinderung zuständig, etwa für die Ausstellung von Schwerbehinderten-ausweisen. Das ist ja eine Art des Nachteilsausgleichs für Schwerbehinderte oder für kranke Menschen. Deshalb passt der Bereich Assistenzhunde von der Thematik her eher zu uns als zum Beispiel zum Finanzamt.“
Normalerweise ist die Regionalstelle Würzburg nur für Unterfranken zuständig. Die Anerkennung von Assistenzhunden übernimmt sie jedoch für ganz Bayern. Der Grund: „Das würde sich überhaupt nicht rentieren, wenn das jetzt auf unsere ganzen sieben Regionalstellen aufgeteilt wird“, erklärt er weiter.
Und die Anerkennung zeigt Erfolg:
Assistenzhunde hat das ZBFS seit dem 1. Juli 2023 anerkannt.
Für die Umsetzung der Assistenzhundeverordnung mussten jedoch zunächst die notwendigen Strukturen geschaffen werden.
Es gibt einige wichtige Grundlagen, damit eine offizielle Anerkennung von Assistenzhunden ermöglicht wird. Dazu gehören unter anderem:
Viele dieser Abläufe mussten von der Behörde selbst entwickelt werden.
Carmen Ringelmann und Herbert Roos vom ZBFS über die neue Gesetzeslage der Assistenzhundeverordnung
"Es war erstmal ein Antragsformular, das musste ja alles geschrieben, das musste erst einmal erarbeitet werden", so Herbert Roos, Mitarbeiter des ZBFS. Dabei mussten nicht nur die eigenen Abläufe organisiert, sondern auch berücksichtigt werden, dass das Verfahren bundesweit möglichst einheitlich funktionieren soll.
Die Assistenzhundeverordnung gilt deutschlandweit. Die Umsetzung lag jedoch bei den einzelnen Bundesländern. Damit nicht jedes Bundesland ein eigenes System entwickelt, mussten sich die zuständigen Behörden regelmäßig abstimmen.
Dabei ging es um viele praktische Fragen: Wie soll der Ausweis gedruckt werden? Welche Kennzeichnung bekommen anerkannte Assistenzhunde? Wie ist mit Sonderfällen bei der Anerkennung umzugehen?
„Es gab im Vorfeld immer sehr viel Abstimmungsbedarf, damit wir da eine einheitliche Linie haben", so Herbert Roos.
Mit der Assistenzhundeverordnung, die im Jahr 2023 erstmals bundesweit geregelt wurde, ist nun klar, was ein Assistenzhund leisten muss und wie die Anerkennung ablaufen soll.
„Es wurde überhaupt erst mal einheitlich definiert, was Assistenzhunde sind und Ausbildungsinhalte sowie Prüfverfahren festgelegt“, erklärt Carmen Ringelmann, die Leiterin der Regionalstelle Unterfranken in Würzburg. Vorher habe es diese einheitlichen Regelungen nicht gegeben.
Eigentlich war vorgesehen, dass nach einer Übergangsphase sogenannte akkreditierte Prüfer die Anerkennung übernehmen. Die für die Akkreditierung vorgesehenen Stellen konnten bis dahin allerdings nicht etabliert werden. „Es gibt aber auch bestimmte Assistenzhunde, für die wir dauerhaft zuständig sind“, erklärt Ringelmann weiter.
Dazu gehören Blindenführhunde, die von den Krankenkassen bezahlt werden, sowie bestimmte Fälle, etwa Hunde, die im Ausland geprüft wurden. Für andere Assistenzhunde sollte das ZBFS ursprünglich nur übergangsweise zuständig sein. Die Übergangsregelung betrifft Hunde, deren Ausbildung vor dem 1. Juli 2023 begonnen und bis zum 30. Juni 2024 abgeschlossen wurde.
Das Problem: Die neue Struktur konnte nicht rechtzeitig aufgebaut werden. „Wir befinden uns ja jetzt eigentlich so ein bisschen im rechtsfreien Raum“, sagt Herbert Roos. Die Behörde könne aktuell keine Anerkennungen vornehmen, weil die entsprechende rechtliche Grundlage fehle. Wann es weitergeht, weiß keiner...
Doch inhaltlich gibt es schon Pläne:
Nach Ablauf der Übergangsregelung gelten strengere Anforderungen an die Eignung von Assistenzhunden. Ein Hund muss dann sowohl generell als auch individuell als Assistenzhund geeignet sein. Die Eignung wird durch die Ausbildungsstätte überprüft und im Rahmen der abschließenden Prüfung durch zertifizierte Prüfer festgestellt.
Die generelle Eignung bildet die Grundlage für jeden Assistenzhund. Dabei geht es vor allem darum, ob ein Hund gesundheitlich geeignet ist und bestimmte charakterliche Voraussetzungen erfüllt. Er muss beispielsweise bereit sein, eng mit seinem Menschen zusammenzuarbeiten, zuverlässig auf Signale zu reagieren und auch in belastenden Situationen ruhig zu bleiben.
Eine hohe Kooperationsbereitschaft, Gehorsam sowie eine ausreichende Stress- und Frustrationstoleranz sind wichtige Voraussetzungen. Ein Hund, der bereits als Wachhund ausgebildet wurde oder als Zuchthund eingesetzt wird, erfüllt diese Anforderungen nicht.
Darüber hinaus muss jeder Hund auch für seine konkrete Assistenzaufgabe geeignet sein. Nicht jeder grundsätzlich geeignete Hund passt automatisch zu jeder Form der Unterstützung. Bei der Eignung wird deshalb geprüft, ob die Fähigkeiten, das Verhalten und die Eigenschaften des Hundes zu seiner späteren Aufgabe passen.
Damit soll sichergestellt werden, dass Assistenzhunde nicht nur eine Ausbildung erfolgreich durchlaufen, sondern auch die persönlichen Voraussetzungen mitbringen, um ihre verantwortungsvolle Aufgabe zuverlässig erfüllen zu können.
Wie werden die Assistenzhunde während der Übergangsregelung anerkannt?
Bei einem Antrag prüft die Behörde verschiedene Nachweise. Entscheidend ist nicht nur, dass ein Hund ausgebildet wurde – er muss auch zur jeweiligen Person passen. „Wir brauchen einen Nachweis, dass der Hund den individuellen Assistenzbedarf des Antragstellers erfüllt“, erklärt Carmen Ringelmann.
Dafür können verschiedene Dokumente vorgelegt werden:
Nicht alle Menschen mit Beeinträchtigungen haben einen Schwerbehindertenausweis.
„Die Erkrankung ist nicht so ausgeprägt, dass es einen Schwerbehindertenausweis gibt, aber es liegt dennoch eine Einschränkung vor“, erklärt die Leiterin. Dann könne auch eine fachärztliche Bescheinigung ausreichen.
Liegen diese Nachweise vor und wird die Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft anerkannt, gelten auch bestimmte Anforderungen für die weitere Haltung des Hundes. Dazu gehören:
Die Anerkennung eines Assistenzhundes ist allerdings nicht unbegrenzt gültig.
„Wir können Hunde anerkennen, bis sie zehn Jahre alt sind“, so Carmen Ringelmann.
Danach besteht die Möglichkeit einer Verlängerung, zweimal um jeweils ein Jahr. Voraussetzung dafür ist ein tierärztliches Attest, welches bestätigt, dass der Hund gesundheitlich weiterhin in der Lage ist, seine Assistenztätigkeit auszuüben.
Damit kann die Anerkennung maximal bis zum zwölften Lebensjahr des Hundes verlängert werden.
Bei der Anerkennung spielt die Rasse grundsätzlich keine entscheidende Rolle.
„Die Assistenzhundeverordnung unterscheidet nicht zwischen den Hunderassen“, erklärt Georg Dopf, der zuständige Sachbearbeiter für Assistenzhunde. Entscheidend seien die Eignung und die Ausbildung des Hundes. Am häufigsten seien Labrador Retriever vertreten. Es können aber auch Hunde anerkannt werden, die man nicht unbedingt vermutet.
Ich habe auch schon einen Chihuahua als PSB-Assistenzhund anerkannt
Georg Dopf
Auch sehr große Hunde können geeignet sein, beispielsweise als Mobilitätsassistenzhund. Sie könnten etwa Menschen unterstützen, die Schwierigkeiten beim Gehen haben und sich zeitweise an ihnen abstützen müssen. Bei bestimmten Hunderassen gelten zusätzliche Vorgaben. Für Listenhunde (sogenannte Kampfhunde) müssen je nach Rasse besondere Nachweise wie ein Negativzeugnis oder eine Haltegenehmigung nach den allgemeinen Bestimmungen der Bayerischen Hundeverordnung erbracht werden.
Die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten spiegeln sich auch in der Verteilung der Assistenzhunde in Bayern wider. Die Zahlen geben einen Einblick, welche Hunde besonders häufig zum Einsatz kommen.
Die Zahlen aus Bayern zeigen: Assistenzhunde sind deutlich vielfältiger als Blindenführhunde.
Dass PSB-Assistenzhunde inzwischen häufiger vorkommen, überrascht auch die Mitarbeitenden des Amtes.
„Tatsächlich haben wir mehr Anträge von Assistenzhunden für Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen als Blindenführhunde", so Carmen Ringelmann.
Ein Grund dafür: Blindenführhunde erkennt man häufig sofort am Geschirr. Bei Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen sieht man die Behinderung dagegen nicht.
Wenn die keine entsprechende Kennzeichnung haben, wie soll man dann erkennen, dass das ein Assistenzhund ist?“
Carmen Ringelmann
Bisher hat das ZBFS nur einen von 300 Anträgen abgelehnt. Grund hierfür war das Alter des Hundes.
Aktuell liegen circa 20 offene Anträge vor, die aufgrund der ausstehenden Gesetzesnovellierung und Ausführungsbestimmungen noch nicht abschließend bearbeitet werden können. Im Normalfall beträgt die Dauer der Anerkennung aber nur zwei Wochen, wenn alle Dokumente vorliegen.
Während das Anerkennungsverfahren für alle Assistenzhunde ähnlich abläuft, zeigen sich im Alltag erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Assistenzhundearten.
Blindenführhunde sind in der Gesellschaft besonders bekannt. Sie werden außerdem anders finanziert als viele andere Assistenzhunde. „Die Blindenführhunde werden als Hilfsmittel nach § 33 SGB V anerkannt und die Krankenkassen übernehmen die Kosten. Die Ausbildung der anderen Assistenzhunde, müssen sich die Leute selber finanzieren“, erklärt die Behörde. Einige wenige Vereine würden Zuschüsse anbieten, eine offizielle Finanzierung gebe es jedoch nicht.
Neben den finanziellen Unterschieden spielen auch die gesetzlichen Zugangsrechte im Alltag eine wichtige Rolle.
Ein anerkannter Assistenzhund hat besondere Rechte. Grundsätzlich gilt: „Wo Menschen mit Straßenschuhen hingehen dürfen, darf auch der Assistenzhund mit“, so Herbert Roos.
Es gibt jedoch Ausnahmen, beispielsweise aus hygienischen oder medizinischen Gründen. Zum Beispiel kann auf einer Intensivstation im Krankenhaus der Zutritt verwehrt werden. Auch in anderen Situationen kann es Einschränkungen geben, etwa wenn für Mitarbeitende eine starke Belastung aus hygienischen Gründen entsteht. Dann muss aber begründet werden, warum der Hund nicht mit hinein darf.
In allen anderen öffentlichen Bereichen (Cafeterien, Arztpraxen, Therapieräumen etc.) ist der Zutritt grundsätzlich erlaubt. Assistenzhunde genießen hier eine Duldungspflicht.
Die Assistenzhundeverordnung habe hier für mehr Klarheit gesorgt, so Roos. Früher sei besonders bei anderen Assistenzhunden als Blindenführhunden oft unklar gewesen, welche Rechte gelten.
Klare Rechte allein reichen jedoch nicht aus – die Hunde müssen im Alltag auch erkennbar sein.
Mit der Einführung der Assistenzhundeverordnung musste auch eine einheitliche Kennzeichnung für anerkannte Assistenzhunde geschaffen werden. Die offizielle Plakette zeigt, dass eine Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft anerkannt wurde und dient als rechtlich gültiges Zeichen im Alltag.
Gerade für Assistenzhunde von Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen ist diese Kennzeichnung besonders wichtig. Während Blindenführhunde durch ihr spezielles Führgeschirr häufig sofort erkannt werden, ist eine psychische oder psychosoziale Beeinträchtigung von außen meist nicht sichtbar.
Neben der Plakette erhalten anerkannte Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaften einen offiziellen Assistenzhundeausweis. Dieser bestätigt die Anerkennung und enthält Informationen über Mensch und Hund.
Für Blindenführhalter ist das Wort "MAG" (Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaft) in Brailleschrift auf die Vorderseite gedruckt. Die einfache Prägung erfüllt genau zwei Kernaufgaben für den blinden oder sehbehinderten Halter:
Die Entwicklung des Ausweises war für die Behörden eine Herausforderung.
„Wenn man das im Scheckkartenformat umsetzen muss, braucht man einen bestimmten und nicht ganz kostengünstigen Drucker. Und dazu noch farbig, weil das Bild vom Hund und vom Menschen in Farbe sein muss", so Georg Dopf.
Die offizielle Plakette und der Ausweis schaffen damit eine einheitliche Lösung: Sie machen anerkannte Assistenzhunde sichtbar und geben Menschen mit Assistenzhund eine rechtliche Grundlage im Alltag.
Private Aufschriften am Geschirr oder selbst gestaltete Anhänger ersetzen diese Kennzeichnung nicht.
„Das Einzige, was zählt, ist eben die Plakette, die von uns ist", so Georg Dopf.
Die Plakette steht somit nicht nur für die Anerkennung eines Assistenzhundes, sondern auch für die dahinterstehenden verbindlichen Standards. Diese sind die Grundlage für einen sicheren und verlässlichen Einsatz.
Die Einführung der Assistenzhundeverordnung hat gezeigt, wie wichtig klare Regeln und einheitliche Verfahren sind, wenn Hunde Menschen unterstützen. Ausbildung, Prüfung und Anerkennung sorgen dafür, dass Assistenzhunde ihre Aufgaben zuverlässig erfüllen können.
Doch Assistenzhunde sind nur ein Beispiel dafür, wie vielseitig Hunde eingesetzt werden. Manche unterstützen Menschen im Alltag, andere übernehmen Aufgaben, bei denen es um Orientierung, Suche oder schnelle Hilfe geht. Auch für diese Einsätze braucht es eine besondere Ausbildung – und ein enges Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund.
Manche Hunde unterstützen einzelne Menschen, andere arbeiten in Teams mit Einsatzkräften zusammen und übernehmen Aufgaben, bei denen es auf besondere Fähigkeiten, Ausdauer und Vertrauen ankommt.
Hier entscheidet nicht nur die Beziehung zwischen Mensch und Hund – sondern vor allem die gemeinsame Ausbildung und das Zusammenspiel als Team.
Denn wenn Hunde Menschen suchen, kann ihre Arbeit entscheidend sein – und Zeit zu einem entscheidenden Faktor werden.
Wenn jede Minute zählt, sind sie bereit: Rettungshunde und ihre Hundeführer. Als eingespieltes Team suchen sie nach Vermissten.
Wer wäre besser geeignet Menschen aufzuspüren als Hunde?
Mit ihrer beeindruckenden Spürnase, ihrer unermüdlichen Motivation und Energie durchkämmen diese Helden auf vier Pfoten unwegsames Gelände nach menschlichen Gerüchen.
Hinter jeder erfolgreichen Suche stehen intensives Training, Vertrauen und das große Engagement des Ehrenamtes.
Wir haben die Rettungshundestaffel Ansbach bei einem Training begleitet und einen Einblick bekommen, wie aus Leidenschaft, Teamarbeit und außergewöhnlichen Partnerschaften ein bedeutender Beitrag für unsere Region wird.
Doch was genau muss so ein Rettungshund können?
Es gibt drei Arten von Rettungshunden:
Sie werden eingesetzt, um vermisste Personen in unübersichtlichem Gelände, wie beispielsweise dichten Wäldern zu suchen.
Hierbei nehmen sie mit ihrer Nase Witterungen auf und suchen nach menschlichen Gerüchen.
Fun Fact: Ein Rettungshund ersetzt bei einer Suche ca. 40-50 Helfer.
Mantrailer sind Personensuchhunde. Anders als die Flächen- und Trümmersuchhunde suchen sie nicht allgemein nach menschlicher Witterung, sondern suchen eine Person anhand ihres Individualgeruchs.
Dafür braucht der Hund einen Geruchsträger, beispielsweise ein Kleidungsstück. Dann folgt er der Geruchsspur ab dem letzten bekannten Aufenthaltsort der vermissten Person bis zum Fund.
Fun fact: Unsere Hautschuppen mit ihren winzigen Hautpartikel und Bakterien bilden die Duftspur, der ein Mantrailer folgt.
Sie sind seltener als Flächensuchhunde und der Job ist besonders anspruchsvoll.
Sie werden nach Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen und Hauseinstürzen eingesetzt. Hier kommt es auf jede Minute an.
Die Hunde suchen auf den Trümmern und können selbst durch meterhohe Trümmerschichten wittern, ob ein Mensch darunter begraben liegt.
Fun fact: In Katastrophenfällen suchen sie auf aller Welt als Auslandshilfe.
Der Job des Rettungshundes ist nicht auf eine bestimmte Rasse beschränkt. Es gibt aber natürlich Rassen, deren typische Charaktere den Hundeführern die Arbeit erleichtern. Dazu zählen beispielsweise Labradore, Australian Shepherds und Border Collies.
Viel wichtiger als die Rasse sind allerdings Gesundheit, Motivation, Lernbereitschaft und die passende Ausbildung des Hundes. Auch die Harmonie zwischen Hund und Hundeführer ist entscheidend. Lediglich der "will to please" und eine gewisse Geländegängigkeit sind ein Muss für den Einsatz.
Der Hund muss gerne mit seinem Hundeführer zusammenarbeiten. Er möchte ihm gefallen, Spaß an der Arbeit haben und ist auch auf größere Distanz gehorsam. Rettungshunde arbeiten oft außer Sichtweite ihrer Menschen und sie sollten ihre Arbeit zuverlässig machen und nicht vom Umfeld abgelenkt werden.
Hierbei geht es um Körpergröße und Fitness. Da sie manchmal sowohl durchs Dickicht als auch auf höhere Vorsprünge müssen, dürfen die Hunde weder zu groß noch zu klein sein. Außerdem brauchen sie eine große Ausdauer, was kleine oder schwere Hunde disqualifizieren kann.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann es losgehen. Die Ausbildung geht jahrelang und erfordert regelmäßiges Training – genau dafür braucht es Menschen, die sich mit großem Engagement dieser Aufgabe widmen.
Nicht nur der Hund muss für diese anspruchsvolle Aufgabe geeignet sein – auch der Mensch an seiner Seite leistet Außergewöhnliches. Die Arbeit in einer Rettungshundestaffel ist nahezu ausschließlich ehrenamtlich.
Hundeführerinnen und Hundeführer investieren einen großen Teil ihrer Freizeit in die Ausbildung ihrer Hunde, regelmäßige Trainings, Fortbildungen und Prüfungen. Bis ein Rettungshundeteam einsatzfähig ist, vergehen mehrere Jahre intensiver Vorbereitung. Bundesweit befanden sich 2024 insgesamt 1.376 Hunde in Ausbildung, während 851 bereits als geprüfte Rettungshunde einsatzbereit waren. Dabei kommen unterschiedliche Rassen zum Einsatz – am häufigsten vertreten sind Mischlinge, die sich durch ihre individuellen Fähigkeiten und ihre Vielseitigkeit für die Suche eignen.
Hinzu kommen Einsätze, die sich nicht planen lassen und jederzeit den Alltag unterbrechen können. Ob tagsüber, nachts oder an Wochenenden – wenn ein Alarm eingeht, machen sich die Teams auf den Weg. Auch die Fahrten zu Übungen und Einsätzen erfolgen in der Regel mit dem eigenen Fahrzeug und auf eigene Kosten.
Der Bundesverband Rettungshunde vereint zahlreiche Menschen, die sich in unterschiedlichen Rollen für die Rettungshundearbeit einsetzen.
Für dieses Engagement erhalten die Rettungshundeführer keine Vergütung. Hinter jedem erfolgreichen Sucheinsatz stehen daher nicht nur ein hervorragend ausgebildeter Hund, sondern auch unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit.
Wie groß die Bedeutung dieses ehrenamtlichen Engagements ist, zeigen auch die Zahlen des Bundesverbands Rettungshunde: Allein im Jahr 2024 wurden die Staffeln zu 1.376 Alarmierungen gerufen und absolvierten 1.278 Einsätze. Mehr als 70 vermisste Personen konnten dabei direkt durch BRH-Rettungshunde gefunden werden.
Nach Jahren der Ausbildung und Vorbereitung kommt schließlich der Moment, in dem ein Rettungshund zum Einsatz ausrückt. Dann trägt er seine Kenndecke – das sichtbare Zeichen dafür, dass Hund und Hundeführer als einsatzfähiges Team arbeiten.
Die Kenndecke gehört zur Grundausrüstung eines Flächenrettungshundes. Neben der besseren Sichtbarkeit kennzeichnet sie ihn eindeutig als arbeitenden Rettungshund.
Je nach Rettungshundestaffel kann die Kenndecke verschieden aussehen. Farbe, Aufdruck und Ausstattung richten sich nach den Vorgaben der jeweiligen Organisation.
Trotzdem besitzen die meisten Kenndecken ähnliche Bestandteile: Die Kenndecke besteht grundsätzlich aus einem robusten, reißfesten Stoff. Sie soll auch in unwegsamem Gelände wie dichtem Buschbewuchs widerstandsfähig sein.
Der Hund trägt die Kenndecke aber nicht nur bei Einsätzen, sondern auch im Training. Sie soll den Rettungshund darauf prägen, zu arbeiten, sobald der Hundeführer sie ihm anzieht.
Doch wie läuft ein Training genau ab?
Die Rettungshundestaffel in Ansbach trainiert zwei Mal pro Woche für je zwei bis vier Stunden, was viel Zeitaufwand für das ehrenamtliche Engagement bedeutet. Die Hunde werden darauf geschult, weitläufiges Gelände nach Menschen abzusuchen. Neben diesen Trainingseinheiten ist die Gehorsamsarbeit zu Hause wichtig.
Im Training ist jeder Hund einmal an der Reihe. Ein Slot dauert ungefähr 15 Minuten. Dabei sucht jeder Hund zwei bis drei Personen. Der Schwierigkeitsgrad der Verstecke wird immer dem Ausbildungsstand des Hundes angepasst.
Die tierischen Mitglieder der Rettungshundestaffel Ansbach unterscheiden sich sowohl in ihren Rassen als auch in ihrem Ausbildungsstand:
Sie alle wissen, was sie beim Training zu tun haben.
Bevor es losgeht, wird zuerst die Kenndecke angezogen. Dadurch weiß der Hund, dass er jetzt arbeiten soll.
Der Hundeführer sucht einen Startpunkt aus und sichert sich die Aufmerksamkeit seines Hundes. Als Reaktion, dass er nun fokussiert ist, muss der Hund bellen.
Dann wird er auf die Suche geschickt. Hier arbeitet der Hund überwiegend selbstständig. Er sucht sich Muster, beispielsweise ein Zickzack, um möglichst viel Fläche absuchen zu können. Der Hundeführer geht in geringer Entfernung hinterher. Er dient als Orientierungspunkt für den Hund und gibt falls nötig neue Richtungsanweisungen.
Bei einem Fund gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie der Hund reagiert. Die Rettungshundestaffel Ansbach benutzt die "Verbell-Methode". Wenn der Hund eine Person findet, fängt er an zu bellen und hört erst auf, wenn der Hundeführer bei ihm angekommen ist.
Noch bei der gefundenen Person wird der Hund belohnt. Je nach Vorlieben bekommt er Lob, Spielzeug oder Leckerli für seinen Fund.
Labrador-Hündin Luna nimmt uns mit auf die Suche:
Wie sieht das beim Rest der Staffel aus?
Das Team der Rettungshundestaffel Ansbach
Sammy hat jemanden gefunden!
Stefan führt mit Maja eine "Suche" durch
Lilo in voller Fahrt
Sammy
Luna hat Spaß bei ihrer Arbeit
Sandra und Luna im Training
Sammy und Sandra bei der "vermissten" Person
Maja auf Spurensuche
Lilo zeigt mit Bellen an, dass die "vermisste" Person aufgespürt wurde
Sandra überprüft Sammys Fund
Cooper ohne Geschirr in seiner Freizeit
Cooper mit Geschirr im Einsatz
Stefan und Maja suchen das Gebiet ab
Nach genügend Training wird es ernst: Die Hunde werden geprüft. Doch wie läuft das ab?
Die meisten Hunde brauchen drei Jahre, bis sie fertig ausgebildete Rettungshunde sind. Erst ab diesem Zeitpunkt dürfen sie bei der Vermisstensuche eingesetzt werden.
Die Ausbildung hat vier Stufen:
Sobald der Hund die Flächensuchprüfung bestanden hat, kann er an einem echten Einsatz teilnehmen.
Constanze mit ihrer Rettungshündin Ayoka
Constanze Decker ist die Leiterin der Rettungshundestaffel in Ansbach. Alle ein- bis zwei Wochen werden sie durchschnittlich alarmiert. Was mögliche Einsatzgründe sind und wie so ein Einsatz abläuft, hat sie uns erklärt.
Bei einer Alarmierung meldet sich Constanze bei der Polizei. Gemeinsam besprechen sie, welche Einsatzart sinnvoll ist und ob eine Flächensuche zielführend wäre.
Oft kommt es vor, dass die vermisste Person schon gefunden wurde, bevor überhaupt ein Hundeführer alarmiert wurde. Es passiert nur ungefähr einmal im Monat, dass die Rettungshundestaffel wirklich ausrückt.
Kommt es zu einem Einsatz, werden die Hundeführer mit einem Piepser alarmiert. Anschließend melden sich diejenigen bei der Einsatzleitung, die ausrücken können.
Die Anfahrt zum Einsatzort geschieht selbstständig. Die Hundestaffel besitzt lediglich ein Einsatzfahrzeug, in dem vier Hunde Platz finden.
Das Einsatzfahrzeug sieht von außen aus wie ein normaler Krankenwagen des BRK. Lediglich der Aufdruck "Rettungshunde" lässt vermuten, dass sich im Kofferraum keine Krankenliege und Versorgungsmaterialien, sondern Transportboxen für Hunde befinden.
Am Treffpunkt angekommen, teilt Constanze die Fläche in mehrere Gebiete auf. Jeder Rettungshund bekommt ein Suchgebiet zugewiesen.
Da es vorkommt, dass diese Gebiete mehrere Kilometer voneinander entfernt sind, fahren die Hundeführer meist mit dem Auto bis zum Startpunkt.
Fast immer werden Hundeführer und Hund zusätzlich von einem Mitglied der Feuerwehr oder einer Hilfsperson begleitet. Hilfspersonen sind Hundeführer, deren Hunde die Prüfung noch nicht abgelegt haben.
Bei einem Fund meldet sich das entsprechende Team per Funk bei der Einsatzleitung. Wenn sie das gesamte Gebiet ohne einen Fund abgesucht haben, wird das ebenfalls durchgegeben.
Der Hundeführer muss seinem Hund also vollständig vertrauen, dass er alles abgesucht hat. Das kann besonders zu Beginn ganz schön schwierig sein.
Von dieser Erfahrung erzählt auch Simone Reif.
Simone Reif ist schon seit vielen Jahren als Hundeführerin Teil der Rettungshundestaffel Ansbach. Ihr älterer Hund (links) ist der fünfjährige Nova Scotia Duck Toller Nilo. Er ist bereits geprüft und seit einigen Jahren als Rettungshund im Einsatz. Ihre zweite Hündin (rechts) ist die einjährige Mina. Die Leonberger-Hündin lernt gerade die Rettungshundearbeit kennen.
Die Besitzerin von der Hundeschule, in der ich war, hat mich da mit hin gebracht. Zuerst war ich mal als Helferin dabei und als "Opfer", also Versteckperson, die die Hunde finden müssen. Irgendwann hab ich dann entschieden, das probiere ich mit meiner ersten Hündin Josefine auch mal aus, und so bin ich dann hergekommen und geblieben."
Die Hunde müssen Spaß haben mit uns zu arbeiten, sonst geht es nicht."
Simone
Am Anfang habe ich mir gedacht, die Hunde rennen halt so im Wald herum, bis sie über eine Person stolpern. Ich saß dann irgendwann mal als Versteckperson selber im Wald an einem Baum, also eigentlich sehr offensichtlich und dann ist der Hund erstmal einfach an mir vorbei gelaufen. Ich hab dann den Moment gesehen, wo er meine Witterung aufgenommen hat, es ihn gerissen hat und er sofort zu mir gekommen ist. Das war so der Moment, wo ich mir dachte, das ist schon wirklich spannend."
Den Nilo motiviert tatsächlich laufen, arbeiten, mir gefallen und die Bestätigung, also das Leckerli. Als er ganz klein war, haben wir mit Spielzeug als Belohnung angefangen, das hätte ich total toll gefunden, wenn mein Hund spielen möchte, aber inzwischen steht er eher auf Futter. Bei der Mila ist es das gleiche, also dieses laufen, finden, bellen, Leckerli kriegen und sich freuen; das ist so die Hauptmotivation, glaube ich."
Wenn wir zu einem Einsatz gerufen werden und nichts finden. Dann muss ich zur Einsatzleitung gehen und sagen, mein Hund hat alles abgesucht. Das ist so ein beklemmendes, unfassbar schlimmes Gefühl, fand ich persönlich. Während ich durch den Wald laufe, frage ich mich immer wieder: wann kommt der Funkspruch, dass sie diese Person gefunden haben? Bitte, bitte komm jetzt, bevor wir jetzt heimfahren und die am nächsten Tag sagen, der war jetzt doch in dem Waldgebiet. Also das ist tatsächlich für mich, auch heute noch, immer so der Gedanke, hoffentlich war Nilo überall, hoffentlich ist alles gut, hoffentlich liegt die Person da wirklich nicht."
Die Erfahrungen von Simone zeigen, wie belastend und zugleich bedeutend die Arbeit in der Rettungshundestaffel sein kann. Doch hinter jedem Einsatz stehen unterschiedliche Menschen, Hunde und persönliche Geschichten.
Während manche Hundeführerinnen und Hundeführer bereits viele Jahre Erfahrung mitbringen, finden andere erst über ihren eigenen Hund den Weg in die ehrenamtliche Arbeit.
Eine von ihnen ist Rettungshundeführerin Kiria, die noch nicht lange Teil der Staffel ist. Sie erzählt, wie sie zur Rettungshundestaffel gekommen ist und welche Erfahrungen sie bisher gesammelt hat.
Kiria Villalobus ist erst seit knapp einem Jahr Mitglied in der Hundestaffel in Ansbach. Ihre Hündin Lilo ist eher untypisch für diese Arbeit.
Kiria hatte früher den Wunsch mit ihrer inzwischen verstorbenen Hündin in die Rettungshundearbeit zu gehen.
Bei Lilo hatte sie allerdings Zweifel, ob sie sich für diese Arbeit eignen würde. Immerhin ist Lilo als französischer Bulldoggenmix ziemlich klein und keine typische Rasse.
Trotzdem hat Kiria bei der Staffel in Ansbach angefragt. Sie solle einfach mal vorbei kommen, wurde ihr gesagt.
Die ersten beiden Male kommt man zum Schnuppern ohne den Hund. So konnte Kiria Einblicke in den grundsätzlichen Ablauf bekommen. Ab dem dritten Mal durfte sie ihren eigenen Hund mitbringen.
Am Anfang konnte Lilo nicht einmal einfache Kommandos wie "Sitz" und "Platz", inzwischen arbeiten die beiden schon auf die Prüfung zum Grundgehorsam hin.
Seit April 2025 trainieren Kiria und Lilo zudem für die Flächensuchprüfung.
Ich würde gerne ein Statement setzen, dass auch ein kleiner Hund ein Rettungshund sein kann."
Kiria
Da Lilo ein eher ungewöhnlicher Bulldoggenmix ist, hat sie eine lange Nase und damit keine, für die Rasse typischen, Atemprobleme. Lediglich wegen Lilos kurzen Beinen macht sich Kiria manchmal Sorgen, ob die Ausdauer reicht.
Da Lilo weder ein klassischer Arbeitshund ist noch aufgrund ihrer geringen Größe und ihrer Rasse den typischen Vorstellungen eines Assistenzhundes entspricht, sehen sich die beiden häufig mit Vorurteilen konfrontiert. Oft hat Kiria von anderen Hundeführern gehört, dass sie in deren Staffel mit so einem Hund nie aufgenommen worden wäre.
Für sie ist das jedoch ein noch größerer Ansporn, die Prüfung zu bestehen und zu beweisen, dass auch kleine und eher untypische Hunde erfolgreich als Rettungshunde ausgebildet werden können.
Die Arbeit in der Rettungshundestaffel bedeutet vor allem eines: ehrenamtliches Engagement – mit einem hohen zeitlichen, organisatorischen und persönlichen Aufwand. Ohne Menschen wie Constanze, Simone, Kiria und viele weitere Freiwillige wäre eine flächendeckende Rettungshundearbeit in Deutschland kaum möglich.
Doch nicht alle speziell ausgebildeten Hunde arbeiten im Einsatzdienst. Viele begleiten Menschen Tag für Tag im Alltag und übernehmen dort eine ebenso verantwortungsvolle Aufgabe.
Zu jeder Zeit an ihrer Seite: Blindenführhunde begleiten blinde Menschen durchs Leben.
Mit ihrem außergewöhnlichen Training und ihrem feinen Gespür führen diese Helfer auf vier Pfoten Menschen mit einer Sehbehinderung zuverlässig durchs Leben.
Ob an Hindernissen vorbei, über Straßen hinweg oder durch unbekannte Gegenden – als eingespieltes Team meistern sie jede Alltagssituation und ermöglichen ein selbstständiges Leben.
Doch hinter jedem Blindenführhund steckt eine intensive Ausbildung und kontinuierliches Training. Wir haben Daniel Puff und seinen Blindenführhund Bari einen Tag lang begleitet und dabei erlebt, wie eng ihre Zusammenarbeit ist und wie sehr sie einander vertrauen.
Was zeichnet einen Blindenführhund aus, und für wen kommt er als Unterstützung im Alltag infrage?
Um zu verstehen, für wen ein Blindenführhund infrage kommt, muss zunächst geklärt werden, was „blind“ überhaupt bedeutet.
Blind ist nicht gleich blind. Als blind gelten Menschen, die entweder gar nichts oder nur sehr wenig sehen können. Einige nehmen Licht und Schatten wahr, andere haben ein stark eingeschränktes Gesichtsfeld. Viele sind klassisch schwarzblind und nehmen somit überhaupt nichts wahr.
- Menschen mit bis zu 2% Sehkraft
- Menschen mit einem Gesichtsfeld von 5° oder weniger
- der "klassisch" Schwarzblinde (sieht nichts mehr, auch kein hell oder dunkel)
Ursachen für eine Erblindung können unterschiedlich sein:
Von einer angeborenen Erkrankung über Unfälle, bis hin zu Krankheiten, die das Sehvermögen im Laufe des Lebens verringern.
Welche Aufgaben übernimmt dann der Blindenführhund?
Der Blindenführhund ermöglicht seinem Menschen die sichere und selbstständige Fortbewegung im Alltag. Er führt zuverlässig um Hindernisse herum und zeigt Treppen, Bordsteine und andere Kanten an. Außerdem findet er auf Kommando den vom Menschen gewünschten Weg und andere Ziele wie Türen, Bänke oder Fußgängerüberwege.
Hierbei entscheidet der Hund nicht selbstständig, wo er gerade hingehen möchte. Er ist speziell ausgebildet, den Befehlen seines Besitzers zu folgen. Die einzige Ausnahme besteht, wenn er eine Gefahr erkennt und seinen Hundeführer schützen möchte. In einer solchen Situation verweigert der Hund das gegebene Kommando und bleibt stehen.
Wie veränderte Wege zur Orientierungslosigkeit führen können
Mit einem Hund ist es für Blinde zudem leichter, in Verbindung mit einem Navigationssystem, neue Wege zu gehen.
Navigationssysteme sind inzwischen fast alle mit Sprachnavigation ausgestattet. Allerdings kann das GPS immer noch um 5 bis 10 Meter falsch liegen. Bei unbekannten Strecken weiß der Blinde dann nicht, an welcher Stelle der Kreuzung er abbiegen muss. Wo hört der Fußweg auf? Sind Hindernisse auf dem Weg? Diese Probleme löst der Blindenführhund. Der Halter gibt den Befehl, etwa nach links abzubiegen, und der Hund führt ihn sicher in die neue Straße.
Trotz all dieser hilfreichen Eigenschaften hat nicht jeder Blinde einen Hund an seiner Seite. Denn ein Tier bedeutet auch große Verantwortung.
Einige trauen sich diese Aufgabe nicht zu, andere erfüllen die Voraussetzungen für eine artgerechte Haltung nicht.
Die blinde Person muss bereit sein, Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen und sich auf eine langfristige Partnerschaft mit dem Hund einlassen.
Dazu gehört zum Beispiel, dass der Hund auch bei Wind und Wetter versorgt werden muss. Gleichzeitig ist der richtige Umgang mit besonderen Situationen, beispielsweise großer Sommerhitze, erforderlich.
Auch die berufliche Situation kann eine Herausforderung darstellen. An manche Arbeitsplätze dürfen Hunde nicht mitgebracht werden, sodass der Blindenführhund über längere Zeit allein zu Hause bleiben muss.
Aus diesen Gründen entscheiden sich einige Blinde bewusst gegen einen Blindenführhund und nehmen stattdessen lieber die Unterstützung anderer Menschen oder Hilfsmittel in Anspruch.
Bis aus Hund und Mensch ein eingespieltes Duo wird, müssen beide einen gemeinsamen Weg zusammen gehen.
Die Ausbildung ist ein langer Prozess. Bevor Hund und Hundeführer überhaupt ein Team werden, sind viele Schritte notwendig:
Was kommt finanziell auf einen zu?
Die Finanzierung eines Blindenführhundes übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Die Ausbildung durch die Führhundeschule wird vollständig finanziert. Für den Blinden fällt lediglich die gesetzliche Rezeptgebühr von zehn Euro an.
Auch nach der Übergabe wird der Blinde noch bei der Versorgung des Hundes unterstützt. In Form von Pauschalen unterstützt die Krankenkasse bei laufenden Kosten wie Futter, Pflege und tierärztlichen Kontrolluntersuchungen.
Wie sieht der Alltag mit einem Blindenführhund aus? Wir haben mit einer blinden Person gesprochen und Einblicke in die besondere Beziehung zu seinem Blindenführhund erhalten.
Daniel und Blindenführhund Bari
Daniel Puff ist 57 Jahre alt, seit seinem fünften Lebensjahr blind und heute im Vorruhestand.
Ehrenamtlich engagiert er sich beim Behindertenrat Nürnberg und Mittelfranken für bauliche Barrierefreiheit. Durch Außentermine, Ortsbegehungen und Online‑Besprechungen bringt er seine Erfahrung in die praktische Verbesserung der Zugänglichkeit ein.
Für Außentermine möchte ich mobil sein und hierfür habe ich meinen Blindenführhund Bari.
Daniel Puff
Seit fast drei Jahren führen Daniel Puff und Bari nun schon ihre besondere Partnerschaft.
Daniel ist mit fünf Jahren durch einen Unfall erblindet. Er zählt zu den klassischen „Schwarzblinden“ und kann weder Licht noch Schatten wahrnehmen.
Seit 2010 ist Daniel Führhundehalter. Sein momentaner Begleiter Bari ist bereits Daniels dritter Blindenführhund.
Bari ist fünf Jahre alt und ein seltener Labrador-Berner-Sennenhund-Mix. Als Hütehund zeichnet er sich durch sein ruhiges Wesen und seine enge Bindung zu seinem Besitzer aus.
Diese Eigenschaften waren Daniel bei seiner Auswahl für einen neuen Blindenführhund besonders wichtig. Seine vorherige Hündin war zwar in ihrer Arbeit technisch sehr zuverlässig, hatte jedoch Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen.
Da Daniel seinen Hund auch zu beruflichen Terminen und Sitzungen mitnimmt, konnte das im Alltag eine Herausforderung darstellen. Bari hingegen ist deutlich ausgeglichener. Er begleitet Daniel, legt sich dazu und entspannt oder schläft, während die Termine stattfinden.
Neben der Unterstützung durch Bari spielt für Daniel auch der Umgang mit anderen Hilfsmitteln eine wichtige Rolle. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen der Begleitung durch einen Hund und der Nutzung eines Stocks im Alltag.
Daniel Puff hatte den Wunsch nach mehr Mobilität und Flexibilität im Alltag. Mit dem Stock kann er den meisten Hindernissen zwar ausweichen, aber Dinge wie offene Fenster oder große Menschenmassen sind oft ein Problem. Mit Bari kann Daniel diese viel leichter erkennen und umgehen. Dadurch fühlt er sich im Alltag sicherer.
Auch wir wollten einmal ausprobieren, wie groß der Unterschied zwischen Blindenstock und Blindenführhund ist. Dafür waren wir im Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Nürnberg. Unsere Reporterin Clara Pieper hat das Laufen mit Stock und Hund unter sicheren Umständen getestet.
Daniel Puff ist weitaus geübter im Laufen mit seinem Blindenführhund. So sieht es aus, wenn er mit Bari unterwegs ist:
Für ein sicheres und präzises Laufen brauchen Blindenführhunde ein spezielles Führgeschirr.
Das Geschirr ist nicht nur wichtig, um den Blinden Orientierung zu geben. Es ist seine Arbeitskleidung. Wenn der Hund diese trägt, ist er im Dienst und automatisch aufmerksamer und fokussierter.
Diese klare Abgrenzung ist auch wichtig, um dem Hund seine Freizeit zu ermöglichen. So kann er spazieren gehen, ohne auf die Bedürfnisse des Blinden zu achten. Also kann auch Daniels Frau mit Bari Gassi gehen.
Wenn er nicht im Einsatz ist, trägt der Hund lediglich eine Kenndecke, die ihn als Blindenführhund ausweist. So wissen andere Leute Bescheid, zu wem er gehört.
Daniel Puff versucht, Bari so oft wie möglich die Freiheit ohne Geschirr zu ermöglichen. In Gegenden, in denen er sich gut auskennt, lässt er Bari deshalb oft frei laufen:
Ob mit oder ohne Geschirr; einem Blindenhund gegenüber sollte man einige wichtige Regeln beachten:
Die Begegnung mit einem Blindenführgespann erfordert gegenseitige Rücksichtnahme. Der Hund darf nicht von der Arbeit abgelenkt werden.
Trägt der Hund sein Führgeschirr, arbeitet er für seinen Halter. In diesem Fall lässt man ihm und seinem Menschen genug Platz und läuft ihnen nicht in den Weg. Außerdem sollte man nicht versuchen, sie noch schnell zu überholen oder zu schneiden. Wenn sich Menschen vorbei drängeln oder ihn sogar anfassen, kann das den Blindenführhund irritieren. Bleibt der Führhund plötzlich stehen oder ändert die Richtung, kann das den Blinden zum Stolpern bringen.
Möchte man den blinden Menschen ansprechen, sollte das mit ein wenig Abstand geschehen. Ein „Hallo“ gibt dem Führhund die Möglichkeit, auf die Situation zu reagieren. Gleichzeitig kann die blinde Person dem Hund bewusst den Befehl zum Halten erteilen.
Auch wenn der Hund nicht das Führgeschirr trägt und Freilauf hat, ist Rücksichtnahme wichtig. Begegnet man ihm beispielsweise mit dem eigenen Hund, hilft es, dem Blinden kurz Bescheid zu geben. Ein kurzes „Ich bin gerade mit meinem Hund hier und die beiden spielen jetzt“, hilft dem blinden Menschen sehr. Ohne diese Information merkt er zwar eine Veränderung, kann aber nur vermuten, dass sein Hund einen anderen getroffen hat.
Zur Orientierung für den Blinden hat der Hund eine kleine Glocke am Halsband. Diese bringt aber nur so lange etwas, wie sich der Hund bewegt. Wenn er still steht und die Glocke keine Geräusche macht, kann der blinde Mensch die Situation nur schwer einschätzen.
Blindenführhunde dürfen den Haufen liegen lassen. Das Wegräumen ist den Blinden nicht möglich.
Deshalb sind die Hunde so ausgebildet, dass sie sich ins Gebüsch verziehen, um ihr Geschäft zu verrichten.
Auch wenn die Akzeptanz für Blindenhunde inzwischen groß ist, begegnen Daniel Puff im Alltag manchmal noch Probleme:
Vereinzelt gibt es Läden, die ihn mit seinem Blindenführhund nicht hereinlassen wollen. Probleme hatte er zudem bei einer Bäckereikette oder beim Metzger, bei Taxis, verschiedenen Arztpraxen und Kliniken.
Daniel Puff engagiert sich ehrenamtlich für den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV). Dort werden Probleme durch seine Öffentlichkeitsarbeit angesprochen.
Daniel ist zudem ehrenamtlich beim Behindertenrat in Nürnberg tätig. Dort setzt er für die bauliche Barrierefreiheit der Stadt ein.
Nürnberg, so Daniel Puff, sei auf einem enorm guten Weg. 2024 belegte die Stadt beim „Access City Award“ der Europäischen Kommission den zweiten Platz. Dabei geht es um Inklusion und Barrierefreiheit. Unter 56 teilnehmenden Städten so weit oben gelandet zu sein, erfüllt ihn mit Stolz. Trotzdem gibt es noch Luft nach oben und Bereiche, in denen viel getan werden muss.
Da sind gute Konzepte auf dem Weg, die müssen Schritt für Schritt umgesetzt werden."
Daniel Puff
Außerdem ist er im bayrischen Blinden und Sehbehindertenbund (BBSB) aktiv. Hier gibt es einen Arbeitskreis zu Führhundeangelegenheiten, der deutschlandweit die Interessen der Halter vertritt. Dabei geht es hauptsächlich um Zutrittsrechte: Dürfen Blindenführhunde mit in Arztpraxen? Sind sie im Krankenhaus erlaubt, wenn ein Angehöriger des Halters dort behandelt wird?
Der BBSB organisiert seit fast zwanzig Jahren zweimal im Monat den «Führhundehaltertreff» und bietet den Blinden so eine Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch und zur Freizeitgestaltung:
Daniel Puff hat viel Erfahrung mit Blindenführhunden gemacht und einen Appell zum Thema:
Blindenführhunde fallen meist mit ihrer Kennzeichnung direkt ins Auge. Doch auch andere Assistenzhunde sind im Einsatz, die auf den ersten Blick nicht sofort erkannt werden.
Was unterscheidet einen Assistenzhund von einem normalen Hund?
Ein Assistenzhund ist ein speziell ausgebildeter Hund, der Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen im Alltag unterstützt. Er erlernt individuelle Hilfestellungen (wie das Öffnen von Türen, das Warnen vor Notfällen oder das Tragen von Gegenständen) und verhilft seinen Haltern zu mehr Unabhängigkeit, Sicherheit und Lebensqualität.
Um einen Einblick in die Arbeit von Assistenzhunden zu erhalten, haben wir Hundetrainer Moritz Wagner sowie zwei Frauen begleitet, die gemeinsam mit ihren Hunden die Assistenzhundeausbildung bei ihm absolviert haben. Beide leben mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und berichten, welche Rolle ihre Assistenzhunde heute in ihrem Alltag spielen.
Wie kann aus einem Hund ein verlässlicher Assistenzhund werden?
Einen Assistenzhund auszubilden, erfordert intensives Training und ist kostspielig.
Betragen circa 10.000 bis 15.000 Euro. Die Summe ist abhängig von der Ausbildungsstätte und davon, wie viel der Hund im Alltag leisten soll.
Die Krankenkassen unterstützen finanziell nur Blindenführhunde, während alle anderen Assistenzhunde privat finanziert werden müssen. Der Verein «Mein Assistenzhund» in Selbitz in Oberfranken hat es sich zur Aufgabe gemacht, Betroffenen unter die Arme zu greifen. Hier können neben anderen Assistenzhunden auch PSB-Hunde ausgebildet werden. "Mein Assistenzhund e.V." beteiligt sich finanziell an den Ausbildungskosten. Bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten übernimmt der Verein, der rund 50 Mitglieder hat. Er finanziert sich über Spenden, Sponsoren und Fördermittel von Stiftungen.
Christoph Bahlmann, der seit der Gründung des Vereins 2012 ehrenamtlicher Vorsitzender ist, weiß diese Unterstützung sehr zu schätzen.
Zwischen drei und sechs Betroffene stellen im Jahr einen Antrag darauf, ihren Hund bei dem Verein ausbilden zu lassen.
Einige Bewerbende haben allerdings falsche Vorstellungen davon, wie sie zu einem Assistenzhund kommen. Christoph Bahlmann erzählt von seinen Erfahrungen:
Nur circa die Hälfte der Antragstellenden beginnen auch die Ausbildung. Man sollte sich daher im Vorfeld Gedanken darüber machen, ob der Hund geeignet ist, und man selbst die Verantwortung für einen Assistenzhund übernehmen kann.
Anforderungen an den Hund
✅ Genug Platz für einen Hund: Gerade PSB-Hunde sind oft größer, da sie in der Lage sein müssen, ihren Halter vom Wegrennen abzuhalten
✅ Garten: Ist ein großer Vorteil, weil er dem Hund mehr Freiheit und Beschäftigung ermöglicht
✅ Hundeerfahrung: ist oft von Vorteil
✅ Bereitschaft, sich für 10 – 15 Jahre auf den Hund einzulassen
Die Ausbildung orientiert sich an der Assistenzhundeverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Nach deren Anforderungen werden die Hunde nach circa zwei Jahren Ausbildungszeit geprüft. Wer die Prüfung besteht, erhält die besonderen Zutrittsrechte. Manche Betroffene entscheiden sich gegen die Prüfung, weil sie mit finanziellen und formellen Herausforderungen verbunden ist.
Christoph Bahlmann hat schon circa 20 erfolgreiche Assistenzhundeausbildungen miterlebt. Er freut sich zu sehen, wie die Hunde das Leben ihrer Herrchen und Frauchen beeinflussen:
Was lernen Hund und Mensch in der Ausbildung?
Moritz Wagner trainiert mit PSB-Assistenzhunden.
Moritz Wagner arbeitet seit 2013 in der Hundeschule Wolfstein in Selbitz, in der er Hunde unterschiedlicher Einsatzbereiche ausbildet. Neben der allgemeinen Hundeerziehung gehört seit rund sieben Jahren zusätzlich die Ausbildung von Assistenzhunden zu seinem Tätigkeitsschwerpunkt. Gemeinsam mit dem Verein "Mein Assistenzhund" begleitet er Mensch-Hund-Teams auf ihrem Weg bis zur Prüfung. Im Interview berichtet der 37-jährige über seine Erfahrungen, die Anforderungen an die Ausbildung sowie die Herausforderungen durch die neue Assistenzhundeverordnung.
Unser Hauptbereich sind die PSB-Assistenzhunde, also Assistenzhunde für Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen. Sie bringen noch einmal ganz andere Herausforderungen mit sich als normale Hunde, weil es im Alltag schwierige Situationen geben kann. Wir haben uns entschieden, diesen Bereich aufzubauen, und sind sehr froh darüber, weil die Rückmeldungen und das, was die Hunde den Teams geben, enorm sind."
Hunde, die noch vor Inkrafttreten der Verordnung ausgebildet wurden, konnten während einer Übergangsfrist geprüft werden. Dass alle bestanden haben, zeigt, dass die Inhalte der neuen Verordnung bereit vorher komplett abgedeckt wurden - ein schöner Erfolg für alle Beteiligten.
Die Assistenzhundeverordnung stellt heute klare Anforderungen an das Mindestalter der Hunde und an die Zahl der Ausbildungsstunden. Diese Stunden müssen auch dann vollständig geleistet werden, wenn ein Team ohnehin schon gut arbeitet.
Moritz findet, es müsse überprüfbare Standards geben, um sicherzustellen, dass in jeder Situation Verlass auf den Assistenzhund ist.
Was sind Anforderungen an Halter und Assistenzhund?
Das Wichtigste ist, dass der Hund und der Mensch ein gutes Team sind."
Moritz
Der Hund darf keinerlei Aggressionen zeigen, weil das mit das wichtigste Ausschlusskriterium ist. Der Hund muss in jeder Situation mit allem zurechtkommen. Deswegen ist es auch ein Arbeitshund. Er hat eine Aufgabe, und diese muss er auch zu jeder Zeit abrufen können. Er muss immer aufpassen, ob dem Menschen gerade etwas zu viel ist, ob es ihm schlecht geht oder ob eine Dissoziation oder ein Flashback da ist. Dann soll der Hund anzeigen: „Pass auf, ich bin bei dir, ich helfe dir jetzt.“
Gleichzeitig ist auch die Anforderung an den Hundehalter, dass er erkennt, wann es für den Hund zu viel wird. Der Hund braucht seine Pausen, seine Auslastung und muss nicht alles leisten, nur weil er Assistenzhund ist. Das ist immer die wichtigste Abwägung.
Jeder Mensch bringt andere Herausforderungen mit, und genau darauf muss ein Assistenzhund vorbereitet sein. Deshalb schaut Moritz nicht auf die Diagnose, sondern auf die Situationen selbst: Welche Auslöser gibt es, woran erkennt der Hund sie und welche Unterstützung ist in diesem Moment gefragt? Dafür gibt es auch einen Notfallplan für beide Parteien.
Der Einsatz eines Assistenzhundes kann im Alltag eine große Unterstützung sein und Sicherheit in herausfordernden Momenten geben. Doch diese Fähigkeiten entstehen nicht von selbst: Die Ausbildung ist intensiv, fordert Mensch und Hund gleichermaßen und wird nicht von allen Teams abgeschlossen.
Es kommt vor, dass im Laufe der Ausbildung beschlossen wird, sie nicht fortzuführen. Entweder entscheiden sich die Teams dazu oder es zeigt sich im Training, dass das angestrebte Ziel nicht erreichbar ist. Oft können die Betroffenen gar nichts dafür: Einen Assistenzhund auszubilden ist schon für einen gesunden Menschen eine große Aufgabe. Für Menschen mit einer schweren psychosozialen Beeinträchtigung kommen die Trainingsanforderungen zusätzlich zu dem, was sie ohnehin bewältigen müssen.
Sie haben schwere Einschränkungen, bei denen zuverlässiges, tägliches Training eine Herausforderung sein kann. Jedes Team muss eine eigene Lösung für dieses Problem finden", erklärt Moritz."
Wie schwer eine Erkrankung tatsächlich ist, lässt sich zu Beginn oft gar nicht absehen; manchmal verschlechtert sie sich im Lauf der Zeit oder es kommt zu Rückfällen. Moritz sucht deshalb mit jedem Team nach einem Weg, der zu der jeweiligen Situation passt. Wenn sich zeigt, dass der Hund die nötige Zuverlässigkeit nicht erreichen wird, ist es fairer, die Ausbildung zu beenden – gegenüber Mensch und Hund.
Die meisten Mensch-Hund-Teams, die Moritz Wagner ausbildet, sind Erwachsene. In Einzelfällen begleitet er jedoch auch Kinder. Aktuell bildet er beispielsweise einen Assistenzhund für ein autistisches Kind aus.
Der Hund ermöglicht dem Kind mehr Selbstständigkeit im Alltag: Es geht allein mit ihm nach draußen, führt ihn zum Gassigehen oder lässt sich auf dem Schulweg begleiten. Die Ausbildung erfordert dabei ein besonderes Verständnis für die individuellen Bedürfnisse des Kindes. Gerade im Bereich Autismus seien die Anforderungen sehr speziell, erklärt Moritz.
Das sind schon so ganz, ganz simple Dinge, die das Leben super erleichtern“
Moritz
Die enge Zusammenarbeit mit den Bezugspersonen ist entscheidend. Im aktuellen Fall unterstützt die Mutter das Training, indem sie erklärt, worauf im Alltag besonders geachtet werden muss.
Wie groß der Unterschied für die betroffenen Familien sein kann, zeigt ein einfaches Beispiel: Ein Zahnarztbesuch, der früher eine tagelange Vorbereitung erforderte, funktioniert inzwischen problemlos. Der Hund legt sich während der Behandlung mit auf den Stuhl und gibt dem Kind Sicherheit.
Das Trainingsgelände der Hundeschule Wolfstein in Selbitz ist Moritz' täglicher Arbeitsplatz.
Die Sicherheit, die diese Hunde ihren Menschen geben, wirkt sich positiv auf den Alltag der Teams aus. Damit diese Unterstützung wirklich funktionieren kann, braucht es jedoch auch ein verständnisvolles Umfeld.
Es ist schön zu sehen, wenn Menschen plötzlich merken: Es ist vielleicht gerade schwierig, aber ich traue mich, das zu tun. Und genau daran wachsen sie – weil sie erleben, dass sie Dinge schaffen können und es mit ihrem Hund funktioniert.“
Moritz
Mehr Verständnis und Offenheit in der Gesellschaft sind für Moritz ein wichtiger Schritt, damit Assistenzhunde selbstverständlich angenommen werden.
Ein sichtbares Merkmal ist das spezielle Geschirr, das die Hunde im Einsatz tragen und ihre besondere Aufgabe kenntlich macht.
Ein PSB-Assistenzhund ist im Einsatz meist an einer farbigen Kenndecke oder einem Westengeschirr mit Aufschriften wie „Assistenzhund im Einsatz“ oder „Nicht streicheln“ zu erkennen.
Im Alltag zeichnet er sich durch ein außerordentlich ruhiges, fokussiertes Verhalten aus und lässt sich weder von Passanten noch von anderen Tieren ablenken.
Häufig trägt er einen speziellen Führbügel, da er seine Bezugsperson durch engen Körperkontakt physisch abschirmt oder bei Panikattacken aktiv aus der Situation leitet.
Seit der gesetzlichen Neuregelung in Deutschland aus dem Jahr 2023 trägt der Hund sowie sein Halter einen offiziellen Assistenzhund-Ausweis mit sich, der den Status des Tieres zweifelsfrei nachweist. Dafür gibt es die Assistenzhunde-Plakette, die sichtbar am Geschirr befestigt wird.
Da PSB-Assistenzhunde oft auf unsichtbare Barrieren reagieren, erkennt man sie auch daran, dass sie unmittelbar auf feine Signale ihres Halters reagieren, um diesen zu beruhigen.
PSB-Hunde und ihre Besitzer haben eine spezielle Bindung, so auch Mayla...
Ich bin Mayla, vier Jahre alt und schon fast mein ganzes Leben lang bei meinem Frauchen. Mit acht Wochen bin ich zu ihr gekommen. Für sie bin ich sehr viel mehr als nur ein Haustier: ich bin ihre Assistenzhündin. Meine Besitzerin hat nämlich eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung. Das bedeutet, dass sie im Alltag oft Unterstützung braucht, weil sie zum Beispiel beim Einkaufen oder in großen Menschenmengen gestresst und angespannt ist. Ich kann ihr in solchen Situationen helfen. Ich bin entspannt, sie kann mich streicheln und fühlt sich sicherer, wenn ich bei ihr bin. Deshalb begleite ich mein Frauchen so oft es geht auf verschiedensten Termine. Weil ich eine zertifizierte Assistenzhündin bin, darf ich überall mit rein. Manchmal wollen Leute in Läden oder Arztpraxen meinen Ausweis sehen, aber nicht reingelassen hat mich bisher noch niemand.
Damit die Leute schneller erkennen, dass ich kein gewöhnlicher Hund bin, trage ich eine Plakette und ein Geschirr, auf dem steht, dass man mich nicht anfassen soll. Ich kann mich nämlich nicht auf meine Arbeit konzentrieren und meinem Mensch helfen, wenn andere Leute mich streicheln wollen.
Auch, wenn ich natürlich eine besondere Aufgabe für sie erfülle, habe ich meine Bedürfnisse, um die mein Frauchen sich kümmert. Sie streichelt mich oft und spielt auch viel mit mir. Ihr tut diese Verantwortung gut. Sie muss regelmäßig mit mir rausgehen, mich füttern und auf meine Gesundheit achten. Dadurch kommt eine Struktur in ihren Alltag, die ihr hilft, trotz ihrer Erkrankung am Leben teil zu haben.
Meine Besitzerin weiß, dass ich nicht immer überall mitkommen kann. Zum Beispiel im Sommer, wenn es sehr warm und sonnig ist. Es wird mir viel zu heiß und meine Pfoten tun weh, wenn ich über die Straße laufe. Deshalb bleibe ich an solchen Tagen im Kühlen zu Hause. Mein Frauchen verschiebt dann ihren Termin oder findet einen Menschen, der sie begleiten kann. Manchmal schafft sie es auch, alleine ohne mich unterwegs zu sein. Sie versucht, so selbstständig wie möglich zu sein, damit sie nicht von mir abhängig ist.
Wir beide sind nicht nur ein Team, sondern auch Partnerinnen. Wenn mir andere Hunde blöd kommen, beruhigt sie mich, und wenn es ihr schlecht geht, helfe ich ihr. Dafür hat sie mir in meiner Ausbildung ganz viele Dinge beigebracht. Ich habe zum Beispiel gelernt, ihr im Notfall eine Tasche mit wichtigen Gegenständen zu bringen. Bei uns zu Hause hat die einen festen Platz und auch unterwegs haben wir sie immer dabei. Wenn meine Besitzerin sehr angespannt ist, lege ich mich auf ihre Beine. Mein Gewicht hilft ihr, sich wieder zu beruhigen. Beim Einkaufen mag sie es nicht, wenn ihr die Leute an der Kasse zu nah kommen. Deswegen stelle ich mich oft zwischen ihre Beine, damit die Menschen mehr Abstand halten müssen. Durch all diese Dinge ist mein Frauchen flexibler und mutiger geworden. Die Aufgaben, die sie mir gibt, machen mir viel Spaß und langweilig wird’s nicht. Wir sind ein gutes Team.
Die Erfahrungen mit einem Assistenzhund sind so individuell wie die Menschen selbst. Während diese Geschichte einen anonymen Einblick in das Leben mit PTBS und Assistenzhund gegeben hat, lernen wir nun Antonia kennen. Sie spricht offen über ihren Alltag, die Herausforderungen ihrer Erkrankung und darüber, welche Rolle ihr Assistenzhund Corvus für sie spielt.
Antonia Cosacchi ist 32 Jahre alt und wird im Alltag von ihrem Assistenzhund Corvus begleitet. Aufgrund ihrer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung braucht sie Unterstützung, um sich im täglichen Leben zurechtzufinden. Diese bekommt sie von Corvus, einem siebenjährigen belgischen Schäferhund. Doch Corvus ist weit mehr als nur ein Helfer für unterwegs, er ist für Antonia zu einem echten Lichtblick geworden.
Man muss dafür kämpfen, dass der Assistenzhund als das gesehen wird, was er ist: eine unglaubliche Hilfe."
Antonia
Trotzdem wird Corvus’ Rolle nicht immer erkannt. Viele Menschen wissen nicht, dass Assistenzhunde weit über den bekannten Blindenführhund hinausgehen. Gerade psychische oder psychosomatische Erkrankungen sind für Außenstehende unsichtbar und damit auch die Arbeit der Hunde.
Wenn Antonia im Alltag mit ihrem Vierbeiner unterwegs ist, kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten. Nicht jeder möchte den beiden den Zugang zu einem Laden gewähren, einige stellen sich quer. Und das, obwohl Assistenzhunde rechtlich gesehen die Räumlichkeiten sogar betreten dürfen. Häufig wird Antonia aufgefordert, ihr Krankheitsbild zu erklären, nur um einkaufen gehen zu können.
Damit Corvus in jeder Situation perfekt auf Antonia reagieren kann, hat er spezielle Befehle und Signale gelernt.
Um ihrem Menschen in jeder brenzligen Situation perfekt helfen zu können, lernen die Hunde spezifische Signale und Befehle.
Für die offizielle Prüfung müssen PSB-Assistenzhunde fünf Hilfeleistungen sicher beherrschen. In der Praxis können ausgebildete Assistenzhunde meist mindestens zehn.
Grundsätzlich können die Funktionen der Hilfeleistungen in drei Kategorien unterteilt werden:
Auf den ersten Blick erfüllen beide ähnliche Aufgaben. Sie unterstützen Menschen und tragen dazu bei, Lebensqualität und Wohlbefinden zu verbessern. Doch ihre Einsatzbereiche unterscheiden sich grundlegend.
Assistenzhunde werden individuell für eine Person mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung ausgebildet. Sie begleiten ihre Besitzerinnen im Alltag, übernehmen gezielte Hilfstätigkeiten und fördern so Selbstständigkeit, Sicherheit und Teilhabe am sozialen Leben.
Therapiehunde hingegen arbeiten gemeinsam mit ihren Hundeführerinnen, um vielen verschiedenen Leuten zu helfen. Sie sind somit nicht für eine Person ausgebildet, sondern können vielen gleichzeitig helfen.
Obwohl ihre Aufgaben verschieden sind, verbindet Assistenz- und Therapiehunde ein gemeinsames Ziel: Sie leisten einen wertvollen Beitrag zum Wohlbefinden von Menschen und zeigen, wie bereichernd ihre Anwesenheit sein kann.
Wie genau sieht die Zusammenarbeit mit einem Therapiehund aus?
Er unterstützt Menschen in herausfordernden Situationen durch seine ruhige, verlässliche Präsenz. Dadurch fördert der Therapiehund Entspannung, stärkt soziale Kontakte und kann Stress sowie Angst reduzieren. In Einrichtungen wie Kliniken, Schulen oder Pflegeheimen trägt er dazu bei, Wohlbefinden und Vertrauen zu schaffen. Dies geschieht bereits durch einfache, unmittelbare Begegnungen.
Gustav ist einer dieser Fellnasen. Der zwölf Jahre alte Rauhaardackel arbeitet fleißig als Therapiehund. Während meist größere Hunde wie Labradore oder Golden Retriever den Job übernehmen, zeigt Gustav dass auch seine Größe bestens geeignet ist. Mit drei Jahren begann für ihn der Weg in die Therapiehundeausbildung.
Die Ausbildung zum Therapiehund beginnt mit einem standardisierten Wesenstest. Dabei wird geprüft, ob der Hund belastbar ist, verschiedene Geräusche toleriert, sich von fremden Personen berühren lässt und in unerwarteten Situationen ruhig bleibt. Erst nach Bestehen dieses Eignungstests folgt die eigentliche Ausbildung.
Sie umfasst einen theoretischen Teil mit einer schriftlichen Prüfung für den Halter sowie praktische Einsätze unter Anleitung geschulter Trainer. Dazu gehören Besuche in Einrichtungen wie Altenheimen oder Kindergärten, um das Verhalten des Hundes in realen Situationen zu beurteilen. Nach erfolgreichem Abschluss aller Module wird der Hund offiziell als Therapiehund anerkannt.
Die gesamte Ausbildung erstreckt sich über etwa ein halbes Jahr. Zusätzlich verpflichten sich die Teilnehmer in der Regel, nach erfolgreichem Abschluss mindestens zwei Jahre ehrenamtlich für den Verein tätig zu sein. So wird sichergestellt, dass die ausgebildeten Teams nachhaltig eingesetzt werden und die erworbenen Fähigkeiten regelmäßig in der Praxis zum Einsatz kommen.
Im Schnitt bezahlt man für eine solche Ausbildung 1.500 bis 3.000 Euro. Das müssen die Besitzer selbst finanzieren.
Während Therapiehunde vor allem in klinischen und sozialen Einrichtungen wirken, zeigt sich ihre unterstützende Kraft auch im schulischen Alltag.
Als Helfer auf vier Pfoten begleitet er Kinder durch den Unterricht und schafft eine Lernumgebung, die ruhiger, offener und vertrauensvoller ist. Die Anwesenheit eines Schulhundes senkt Stress, fördert Konzentration und stärkt soziale Kompetenzen. Dies geschieht vor allem durch Nähe, Geduld und einem feinen Gespür. Er unterstützt einzelne Kinder beim Lesen und hilft Gruppen dabei, respektvoll miteinander zu arbeiten. In vielen Klassen wird er zu einem festen Bezugspunkt. Ein verlässlicher Freund, der zuhört, ohne zu urteilen.
Die Schulhund‑Ausbildung unterscheidet sich von der Therapiehund‑Ausbildung vor allem durch ihren pädagogischen Fokus. Therapiehunde arbeiten meist mit einzelnen Personen oder kleinen Gruppen, während Schulhunde lernen, sicher und entspannt in großen, lebhaften Klassen zu agieren, Schullärm auszuhalten und pädagogisch sinnvoll in Unterrichtssituationen eingebunden zu werden.
Auch ein bereits ausgebildeter Therapiehund braucht dafür meist eine verkürzte Zusatzausbildung, die genau diese schulischen Anforderungen abdeckt.
Vor seinem Einsatz in der Schule wurde Gustav von einer externen Fachperson begutachtet, um seine Eignung für den schulischen Alltag unabhängig einschätzen zu lassen. Gustav lernt verschiedene Einsatzmöglichkeiten kennen. Hierzu zählt etwa die Arbeit als Lesehund, das sichere Verhalten im Klassenzimmer oder geeignete Interaktionsformen mit Kindern. Ziel ist es, ihn strukturiert an typische schulische Situationen heranzuführen und seine Rolle als pädagogisches Arbeitsmittel vorzubereiten.
Die Schulhundausbildung dauert meist 5 bis 12 Monate und umfasst rund 60 bis 80 Stunden. Sie findet berufsbegleitend in Wochenend‑ oder Ferienmodulen statt. Hunde starten frühestens mit 12 Monaten, die Abschlussprüfung erfolgt ab 18 Monaten.
Die Kosten für eine Schulhundausbildung liegen je nach Anbieter in Deutschland meist zwischen 780 und 3.000 Euro. Da der Schulhund als pädagogisches Zusatzangebot gilt, tragen die Lehrkräfte die Finanzierung in der Regel selbst. Allerdings können die Ausgaben als berufliche Fortbildung steuerlich geltend gemacht werden, wodurch sich ein Teil der Kosten wieder ausgleichen lässt.
Gustav und Miriam sind ein Team. Seid Gustav als Therapie- und Schulhund ausgebildet wurde, leben sie nicht mehr nur zusammen, sie arbeiten auch zusammen.
Mit zehn Wochen kommt Gustav zu Miriam Mendl-Möhrings Familie. Die heute 41‑jährige Realschullehrerin ist sofort von dem kleinen Mann angetan. Nachdem Gustav die Ausbildung zum Therapiehund erfolgreich abgeschlossen hat, entscheidet Miriam, ihn in ihren beruflichen Alltag einzubinden. Da er besonders gerne von Kindern umgeben ist und mit seinem ruhigen, freundlichen Wesen schnell Vertrauen schafft, lag dieser Schritt nahe. Somit ist Gustav sowohl ein Therapie-/ als auch ein Schulhund. Sein Charakter macht ihn zu einem Hund, der im schulischen Umfeld genau das mitbringt, was dort gebraucht wird.
Lustig, aufregend und temperamentvoll"
Miriam
Diese Eigenschaften sind besonders wertvoll in der Arbeit mit Kindergarten- und Schulkindern. Einmal pro Woche begleitet Gustav Miriam in die Schule und einmal im Monat steht ein Besuch im Kindergarten an. Dort unterstützt er Kinder dabei, Ruhe zu finden, Vertrauen aufzubauen, um soziale Situationen sicher meistern zu können.
Gustavs ruhige, sensible Art ist im Schulalltag sehr wichtig. Denn in vielen Klassen gibt es auch Kinder, die Hunden erst mal skeptisch gegenüberstehen.
Immer wieder begegne ich Kindern, die schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht haben. Miriam hat sogar ein Buch über mich geschrieben, damit die Kinder mich kennenlernen. Vor einigen Wochen traf ich auf Sophie und Hannah, die mir mit deutlicher Unsicherheit begegneten.
Sophie war zuvor von einem Hund gebissen worden, während Hannah von einem großen Hund umgestoßen wurde. Als ich den Klassenraum betrat, hielten beide zunächst Abstand. Sie beobachteten jede meiner Bewegungen ganz genau und wirkten angespannt.
Um ihr Vertrauen zu gewinnen, ging ich Schritt für Schritt vor. Vorsichtig näherte ich mich den beiden und achtete darauf, die Situation ruhig und kontrolliert zu gestalten. Währenddessen erklärte mein Frauchen der Klasse die wichtigsten Verhaltensregeln im Umgang mit Hunden. Besonders betonte sie dabei, dass die Verantwortung immer beim Hundebesitzer liegt. Sophie und Hannah haben also nichts falsch gemacht.
Mit der Zeit fassten die beiden Mädchen immer mehr Mut. Zuerst wagten sie sich an vorsichtiges Streicheln, später folgten kleine gemeinsame Spaziergänge über den Schulhof. Heute gehen beide ganz entspannt mit mir Gassi und suchen von sich aus den Kontakt.
Diese Geschichte wurde anonymisiert, die Kinder haben andere Namen
Die Geschichte von Gustav zeigt, wie wichtig der richtige Umgang mit Hunden ist und welchen positiven Einfluss sie auf Kinder haben können.
Eine Webreportage von Svea Johnsen, Lara Löwe, Clara Pieper, und Nathalie Schwensfeier
Verantwortlich im Sinne des § 55 Abs. 2 Rundfunkstaatsvertrag:
91522 Ansbach
Ein Projekt der Hochschule Ansbach, Studiengang Ressortjournalismus ("Fach Projekt Crossmedia") und https://www.flz.de, das Online-Portal der Fränkischen Landeszeitung.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Protagonist:innen, die uns mit großem Engagement unterstützt haben. Ohne sie wäre das Projekt nicht möglich gewesen.
Zentrum Bayern Familie und Soziales Region Unterfranken: https://www.zbfs.bayern.de/weitere_aufgaben/assistenzhundeverordnung/
Rettungshundestaffel Ansbach: https://www.kvansbach.brk.de/fachdienste-der-bereitschaften/rettungshundestaffel.html
Daniel Puff mit Blindenführhund Bari: https://bbsb.org/beratung-und-angebote/beratungsstellen/mittelfranken
Moritz Wagner, Antonia Cosacchi und ihr Assistenzhund Corvus sowie Mayla mit ihrem Frauchen: https://www.hundeschule-wolfstein.de/assistenzhunde.html
Miriam Mendl-Möhring mit Therapie- und Schulhund Gustav sowie die Räumlichkeiten der Dietrich- Bonhoeffer-Schule in Neustadt an der Aisch: https://www.realschule-neustadt-aisch.de/ https://www.beratung-mme.de/ueber-uns/
Grafiken und Piktogramme erstellt mit Canva