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Los geht's

Geldlos - sorglos? Von alternative Lebenmodellen und Wegen in die Nachhaltigkeit

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Maria Murnikov
Multimedia und Kommunikation
Bachelorarbeit








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Rind gegen Brot, Hühner gegen Getreide. Bevor es das Geld gab, erfand der Mensch den Warenaustausch. Von den ersten Münzen kam dann das Geld bis hin zu den Kreditkarten in den heutigen Umlauf.

Wie abhängig sind wir heutzutage noch vom Geld und könnte man auch ganz darauf verzichten? Für die meisten absolut unvorstellbar. Denn zu konsumieren und besonders im Überfluss ist heute alltäglich. Selten denken wir über die Folgen unseres Konsumverhaltens nach. 
Diese Webreportage stellt verschiedene Protagonisten mit oder ohne Geld vor, deren Verhältnis zum Konsum und zur Nachhaltigkeit.

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Karsten Petersen, Gründer der Kommunität

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Der Friedenshof
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Die Friedenshof Kommunität ist eine kleine Gemeinschaft mit zehn Bewohnern, 30 km von Hannover entfernt in Neustadt am Rübenberge auf einem Bauernhof gelegen. Derzeit leben dort drei Männer und vier Frauen im Alter zwischen 25 und 74 Jahren.
Die Werte und Ideale orientieren sich nach der Arche nach Lanza del Vasto, inspiriert von Thich Nhat Hanh sowie Lehrern/Lehrerinnen anderer Traditionen. Die Kommunität bemüht sich um einen achtsamen Umgang miteinander innerhalb ihrer Geminschaft und insbesondere mit der Natur, einen einfachen Lebensstil und spirituelle Anbindung im Alltag. Es wird wenig konsumiert sowie ein schlichterer Lebensstil gelebt. Erträge kommen aus einer gemeinsamen Kasse und werden benutzt, um die Immobilie zu finanzieren. Täglich verfolgen sie einen regelmäßigen Rhythmus, der aus dem gemeinsamen Meditieren, Mahlzeiten, Arbeiten im Hof, Garten sowie im Haus besteht. Dies dient dazu, den Zusammenhalt der Gruppe zu stärken. Es wird vegan und vegetarisch aus den Lebensmitteln des eigenen Anbaus gekocht. Regelmäßig wird am Haus gearbeitet und auch sonst wird sich viel handwerklich betätigt.   

Die Bewohner Karsten und Jan - Michael machen uns mit dem Friedenshof vertraut.

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Der Friedenshof
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1987 haben sich die Gründer Karsten und seine Frau Bärbel in der Friedensbewegung kennengelernt. Beunruhigt von den Umweltproblemen und inspiriert  von der Arche Gemeinschaft in Frankreich, haben sie im Herbst 1991 den Friedenshof gegründet, um Bewusstsein zu schaffen und ihr Leben anders zu gestalten. Eine Immobilie wurde gekauft und
nach und nach wuchs die Zahl der Mitbewohner. Mittlerweile leben sie seit 24 Jahren dort.

Einer der Bewohner ist Jan - Michael. Er richtete sich einen Raum für die Kunsttherapie ein und bietet Meditationen und Achtsamkeitstage in der buddhistischen Tradition an. Der Friedenshof, der durch die Prägung seiner Gründer und der Arche eine eher christliche Färbung hatte, bekam buddhistischen Einfluss.

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Etwa 130 Kilometer von Hannover entfernt, im tiefsten Wald, fernab vom Stadtleben haben die Bewohner des Ökodorfs "Sieben Linden" eine eigene Ökonomie mit eigenen Gesetzen aufgebaut. Zwar ist hier Geld im Umlauf, dieses wird aber nur für das Nötigste in der Gemeinschaft ausgegeben. Was sie vereint, ist das Bedürfnis nach einem nachhaltigerem Leben und die Flucht aus der Stadt.

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Haus in den "Sieben Linden"
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Gelegen ist das Ökodorf in Beetzendorf in Sachsen Anhalt. Die Idee eines „selbstversorgten, ökologischen Dorfes“ entstand 1989. Das Dorf hat eine eigene Ökonomie mit eigenen Grundsätzen. Ende der neunziger Jahre wurde die Infrastruktur weiter mit Wegen, Brunnen, Strom- und Telefonleitungen, Pflanzenkläranlage, Teich, Amphitheater sowie Anpflanzung von Windschutzhecken ausgebaut. Auf dem Gelände stehen derzeit acht Wohnhäuser, welche mit Solarenergie betrieben werden. Angefangen mit 20 leben nun insgesamt 140 Menschen in den Sieben Linden. Das Dorf umfasst heute insgesamt 81,5 ha (davon sind 45 ha Wald). Die Bewohner verfolgen keine Lehren oder religiösen Intentionen, sondern den Wert einen natur-, umwelt- und ressourcenschonenden, nachhaltigen Lebensstil. Ihrer Meinung nach, ist Lebensfreude nicht abhängig vom Konsum. 

Die Bewohner Nicoletta und Sancho erzählen über das Ökodorf und ihr Verhältnis zum Geld und Konsum.

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Haus in den "Sieben Linden"
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Raphael beim Signieren seines Buches: "Glücklich ohne Geld"
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Raphael Fellmer besitzt kein Konto und keinen einzigen Cent. Ernähren tut er sich von verfallenen Lebensmitteln aus dem Müll. Um kostenlos wohnen zu können, arbeitet er im Gegenzug als Hausmeister oder es wird ihm ein Zimmer in einer Wohnung von Mitmenschen angeboten, die ihn gerne bei seinem Geldstreik unterstützen. Seiner Familie (seiner Frau Nieves und seinen zwei Kindern) fehlt es an nichts. Seit 2010 lebt er in einem Geldstreik, um auf das heutige Konsumverhalten und ein ressourcenschonderes Leben aufmerksam zu machen. Unentgeltlich spricht er darüber in den Medien, auf Vorträgen und Konferenzen. In seinem Buch "Glücklich ohne Geld", welches ehrenamtlich enstand, schreibt er über sich, seinen Alltag und den Konsumverzicht, was er nicht als Verzicht betrachtet, sondern als Bereicherung. An Erlösen bekommt er nichts, es ist auf seiner Internetseite kostenlos zum Herunterladen möglich.
Außerdem hat er die Initiative "foodsharing" gestartet. Durch ein großes Netzwerk an Mitgliedern, Mitarbeitern und zahlreichen Betrieben werden "abgelaufene" oder "unbrauchbare" Lebensmittel zur Weiterverwertung an die foodsharing Station gebracht, sodass sie vor dem Abfall gerettet werden. 1 Mio. Kilogramm an Lebensmitteln wurden bereits in über 1000 Betrieben gerettet.
 
Raphael über sich und sein Leben ohne Geld. 



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Raphael beim Signieren seines Buches: "Glücklich ohne Geld"
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Bea portrait
Bea Johnson, Bloggerin und Autorin von: "ZERO WASTE HOME""
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Wie kamen Sie zu der Idee ohne Abfall zu leben?

Bea Johnson: Unser Wandel kam nicht von heute auf Morgen, eher allmählich. Wir brauchten zwei Jahre von einem Leben in einem großen Haus hin zu einem umweltfreundlicheren Lebensweg. Im ersten Jahr zogen wir nur mit den nötigsten Sachen in ein Apartment und lagerten den Rest - wobei wir lernten, dass uns ein Leben mit weniger Besitz lebenswerter schien.
Im zweiten Jahr kauften wir uns ein Haus, das halb so groß war als unser vorheriges. Wir trennten uns von 80 % unserer Sachen (die gelagerten Sachen mit einbezogen) und das ermöglichte uns, unsere freiwillig gewählte Einfachheit des Lebens zu genießen. Wir schafften uns Zeit, um uns über Umweltprobleme weiterzubilden - dies war der Zeitpunkt, an dem wir uns dafür entschieden haben, unserern Kindern zuliebe unsere Wege zu ändern.



Bea portrait
Bea Johnson, Bloggerin und Autorin von: "ZERO WASTE HOME""
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Wie leben Sie ohne Abfall? Beeinflusst es Ihr Konsumverhalten?

Bea Johnson: Was meine Familie dafür tut, um nur 1 Kilogramm Abfall pro Jahr zu erzeugen, ist nicht wirklich so schwierig wie man annehmen könnte. Wir verfolgen einfach einen Grundsatz nach den "5 R´s" der Reihe nach und wenden es auf jeden Aspekt unseres Lebensstils und jeden Raum unseres Hauses an.


1-   Refuse -  vermeiden was wir nicht brauchen (z.B. einmalige Nutzung von Plastik, Werbeprospekten und Werbegeschenken)

2-   Reduce - reduzieren was wir nicht brauchen (Möbel, Kleidung)

3-   Reuse - wiederverwerten durch Secondhand und den Austausch durch Wiederverwendung von Einmalartikeln (inklusive Einkaufen mit Wiederverwendung von Plastikstüten, Gläsern und Flaschen)

4-   Recycle - was wir nicht vermeiden können, reduzieren oder wiederverwenden

5-   Rot - Den Rest kompostieren (Fruchtschalen, Haare, Fussel usw.)























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Warum machen Sie einen ,,Abfallstreik"?

Bea Johnson:
Wir haben unsere Art zu leben unserer Kinder zuliebe geändert. Aber wie Jeffrey Hollender, der Geschäftsführer von Seventh Generation sagte: ,,Null Verschwendung ist die Mutter von Umwelt Gehirnlosen" - wie es in "The Story of Stuff" zitiert wird. Es wurde bewiesen, dass die Ressourcen der Erde unseren Konsum nicht tragen können. Abfall zu reduzieren ist wichtig, nicht nur weil es wichtig für die Umwelt ist, sondern auch weil es den Lebensstandard stark fördert! Es ist eine Verschwendung von Ressourcen zur Deponierung, welche giftige Verbindungen in die Luft und in den Boden freisetzt.


Welche Möglichkeiten gäbe es nachhaltiger zu leben?

Bea Johnson: Mein Tipp wäre es den "5 R´s" zu folgen, die ich zuvor erwähnt habe. Die erste Sache, die man gegen Verschwendung und Unordnung tun kann, ist einfach Nein zu sagen! Denkt vorher nach bevor euch etwas ausgehändigt wird wie Flyer, Werbegeschenke, Visitenkarten, Werbeprospekte, einmalverwendbares Plastik (wie Plastiktüten) und kämpft dagegen  an. Diese anzunehmen verursacht nicht nur eine erhöhte Nachfrage, sondern verschwendet auch wertvolle Ressourcen. Versucht es, ihr werdet verwundert sein, wie viel Zeug ihr davor bewahren könnt mit ins Haus zu schleppen. 

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Sollte jeder so leben wie Sie oder wollen Sie es absichtlich auf eine extreme Weise aufzeigen?

Bea Johnson: Wir sind nicht dafür da jedem vorzuschreiben, wie er zu leben hat. Wir möchten nur unseren Lebensstil teilen und hoffen andere zu inspirieren.
Wir betrachten unseren Lebensstil nicht als extrem, da es unser Leben stark gefördert hat und wir könnten uns niemals vorstellen zu unserem alten Leben zurück zu kehren. Wir fanden, dass null Abfall / Verschwendung nicht so war wie wir es erwartet hatten. Es ist nicht nur gut für die Umwelt: vielmehr hat es uns gesünder gemacht und es spart uns einen unglaublichen Umfang an Zeit und Geld! Was mir am besten an diesem Lebensstil gefällt, ist die Einfachheit des Lebens und wie es meine Familie zusammengeschweißt hat. Unser einfacher Lebensstil hat unsere tägliche Routine in diesen Aspekten verändert: Es hat das Putzen stark vereinfacht. Es macht unsere Hausarbeit viel effizienter. Es hat uns erlaubt mehr zu spielen (in einem einfachen Leben experimentiert und "lebt" man mehr als sich auf Gegenstände oder Unbrauchbares zu fokussieren). Außerdem verbringen wir mehr Zeit zusammen. Es hat uns sogar ermöglicht mehr zu reisen, da wir unser Haus leicht vermieten können, während wir nicht da sind. Viele nehmen unser Haus in Anspruch weil nur das Nötigste drin ist.

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In der Bauteilbörse, gegründet von Gert Schmidt, werden alte Möbelstücke vor dem Abfall gerettet. Hier wird mit gebrauchten Türen, Fenstern, Badezimmerausstattungen gehandelt. Die Möbel werden saniert, getauscht oder weiterverkauft. Das Konzept leistet ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit: Materialien bleiben in den Wirtschaftskreisläufen erhalten, anstatt sie als Abfälle zu deklarieren. Größtes Hindernis nach Gert Schmidt: "Wer ökologisch und sozial handeln möchte, hat regelmäßig zu wenig Geld und wer genug Kapital auf der hohen Kante hat, interessiert sich oft nicht für Nachhaltigkeit." Gert Schmidt über die Bauteilbörse und die Suche nach Lösungen.

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Gert Schmidt hat ein Konzept für eine alternative Währung zu dem herkömmlichen Geld entwickelt: Das Regionalgeld "fair coin" für die Stadt Hannover. Auf Basis von geringem oder hohem Vertrauen sollten nun Geschäfte abgewickelt werden.

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Aischa Bach ist Imkerin und arbeitet regelmäßig mit ihren Bienen im Garten. Als regionale Imkerin ist es schwer gegen den Konsum anzukommen. In Hannover konzentriert sie sich zusammen mit anderen Mitgliedern des sogenannten "Gardensharing Projektes" auf einen nachhaltigen Rohstoffgarten. Hier werden nicht wie im herkömmlichen Garten Salat, Spinat und Tomaten angebaut, sondern insektenfreundliche Pflanzen, Duftblüten und nachwachsendes Baumaterial. Die Ernte dient dem geldfreien Tauschen auf den beliebter werdenden Tausch- und Verschenkmärkten.
 
Im folgenden Beitrag erzählt Aischa Bach über ihre konventionelle Arbeit als Imkerin und ihr Verhältnis zum Konsum.

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Jeden Mittwoch wird im Kulturzentrum Faust in Hannover fleißig gekocht. Die Besonderheit: es werden Essensreste vor dem Abfall verwertet. So wird nachhaltig, zusammen und vegan gekocht und anschließend gegessen.
Zu den Themen auf dem Programm stehen Umwelt und Politik.
 

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Goldene Buddhastatue im "Tempel der Erleuchtung"
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Vor 2500 Jahren zog ein junger Mann aus Indien namens Siddhartha Gautama ("Buddha" - Erleuchteteten) los, um die Menschen aus dem Leid zu befreien. Nach Jahren von Bemühungen fand er den sogenannten "mittleren Weg" jenseits von Gier, materiellem Wohlstand und ständiger Suche nach Lusterfüllung. In seiner Predigt erklärte er, dass wir versuchen würden das Leiden zu meiden und ständig auf der Suche nach Glück seien, dennoch seien alle Glücksmomente vergänglich. Buddha empfiehlt Gier und Lebensdurst loszulassen und mit Gleichmut zu ersetzen.

Nach der buddhistischen Lehre ist Geld und die hohe Konsumbereitschaft eine Unwissenheit, die durch Identifikationsfindung nicht erfüllt werden kann. Der Konsument denkt sich durch den Erwerb verwirklicht zu haben. Dadurch entsteht eine Grundlage zu einer geistigen und physischen Vorliebe zu Produkten. Diese Vorlieben lassen uns emotional abhängig werden. Es entstehen Gefühle wie Verlangen, Abweisen, Begierde. Schnell kann aus Begierde Gier werden und aus Gier direktes Handeln. Wir setzen die Worte in Taten um und trotz dessen fühlen wir eine Unvollständigkeit und nicht bleibender Befriedigung. Geld darf im Buddhismus keinen hohen Stellenwert im Bewusstsein einnehmen. Es wird als störend und überflüssig empfunden und führt zu Gewaltbereitschaft. Die Sonne, die Erde, das Wasser, die Luft, die wir atmen, Pflanzen und Tiere und unsere Mitmenschen sind das größte Geschenk und würden  von Gier zerstört werden. 

Der tibetische Mönch Shi Yongchuan erzählt aus der Sicht des Buddhismus warum Konsum nicht glücklich macht.

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Goldene Buddhastatue im "Tempel der Erleuchtung"
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Kann noch ohne Geld gewirtschaftet werden? Hat der Konsum auch seine Vorteile?
Liberté, egalité, fraternité. Frankreich ist Vorreiter und setzt nun ein Zeichen für die Nachhaltigkeit: Ab sofort dürfen Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen. Diese müssen gespendet, kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Was sagen die Politiker in Deutschland dazu?

Der Generalsekretär der CDU Ulf Thiele beantwortet dazu Fragen aus Sicht der Politik.

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Herr Thiele, wie sehen Sie den heutigen Konsum in der Gesellschaft?

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Man kann natürlich auf die Idee kommen, dass man alles in Gesetze gießt und den Menschen vorschreibt wie sie bestimmte Dinge zu händeln haben, ich halte das für einen Fehler. Der Staat ist nicht in der Lage das zu kontrollieren weil er in Wahrheit gar nicht vorschreiben kann wie sie leben. Etwas anderes ist die Tatsache, wir leben in einer Überflussgesellschaft, dass wir manchmal völlig gedankenlos sind was Konsum alles auslöst da braucht es sicherlich in vielen Fällen viel mehr Aufklärung. Wir diskutieren im Landtag gerade zum Beispiel die Folgen daraus das in bestimmten Konsummitteln nicht mehr Holzspäne sondern Plastikspäne eingesetzt werden. Was bedeutet das für die Meeres oder Flusskultur, wenn Fische über unser Duschgel und andere Konsummittel ins Wasser lassen und dann in die Umwelt abgeben? Wenn Fische diese Mikroplastikpartikel aufnehmen und dadurch Verdauungsstörungen bekommen und dann verenden welche Folgen hat das dann für das Umweltsystem? Das ist eine von ganz vielen Fragen im Zusammenhang mit unserem Konsumverhalten. Eine zweite ist die Verschwendung von Lebensmitteln, völlig unnötig. Frankreich hat ja gerade ein Gesetz dagegen beschlossen, in Deutschland läuft die Diskussion wie man damit umgeht, das bei uns Nahrungsmittel weggeworfen werden obwohl sie völlig tadellos sind nur vielleicht anders aussehen als der Standard. Drittes Thema ist, dass wir viele Güter haben, die von vornherein so produziert werden, dass sie nicht allzu lange Lebenszeit haben und dadurch wird Müll produziert. 


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Wer profitiert vom Konsum?

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Zum einen profitiert regelmäßig der Konsument selbst denn er hat eine Entscheidung getroffen, der Verbraucher hat entschieden etwas zu kaufen weil er glaubt / sie glaubt, dass das zu ihrem Lebensstandard einen positiven Effekt beiträgt. Also kauft man Dinge weil man damit glücklich ist oder weil man sie zum täglichen Leben braucht. Auf der anderen Seite gibt es Produzenten / Massenhändler, die mit dem was sie verkaufen Geld verdienen wollen, Mitarbeiter beschäftigen, die bezahlt werden müssen und ähnliches. So ist das halt in einer sozialen Marktwirtschaft, dass am Ende des Konsums mehrere davon profitieren. Eine ganze Reihe regelmäßig: Arbeitnehmer, die an der Produktion hängen, die entweder selber produzieren, kaufen, verkaufen oder der Konsument, der was für sein Leben tun will. Also vom Grundsatz her solange Konsum nicht aus einer Gewohnheit stattfindet oder weil man Druck verspürt, dass man etwas tun muss weil der Nachbar oder der Freund es tut und es sozusagen Statussymbol wird und es zum persönlichen positiven Lebensgefühl beiträgt hat keiner was davon.

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Selbstverständlich macht sich die Wirtschaft unser hohes Konsumverhalten zu Nutze. Schon längst wird nicht nur für die täglichen Grundbedürfnisse produziert. Angebot gibt es im Überfluss und täglich auch neue Werbeversprechen, die uns animieren über unseren eigentlichen Bedarf einzukaufen. Aber ohne Nachfrage gibt es kein Angebot. Der Konsument selbst hat viel zum Wirtschaftswachstum beizutragen.
Nicht außer Acht lassen sollten wir, dass die Wirtschaft in unserem kapitalistischen System erhalten werden muss. Denn hinter dem Konsum stecken aufwendige Produktionen, Konzeptionen und Entwicklungen, die viele Arbeitsplätze schaffen. Ohne diese Güter und Dienstleistungen wären die Schaffenden arbeitslos. Außerdem macht Geld und das Konsumieren den Konsumenten flexibler und freier. Im Idealfall sollten Konzerne bei der Produktion den Aspekt der Nachhaltigkeit in der Produktion nicht vernachlässigen.

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Wolfgang Harstrick erzählt seine Meinung zu dem Thema Geld.

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Herr Harstrick, für Sie ein Leben ohne Geld vorstellbar? Wer profitiert davon?

Ein Leben ohne Geld ist für mich nicht vorstellbar, es heißt ja nicht umsonst Geld regiert die Welt. Es begleitet uns tagtäglich, internationale Verflechtungen. Nein ein Leben ohne Bargeld kann ich mir nicht vorstellen. Letztlich profitieren wir alle vom Konsum. Er schafft Arbeitsplätze, sorgt für Beschäftigung und sorgt für ein persönliches Wohlergehen. Ich bin der Meinung der Kapitalismus mit seinem Geldsystem hält die Wirtschaft am Leben, lässt uns wachsen, sorgt für Wohlstand aller und ist existentiell für eine funktionierende Gesellschaft.


Denken Sie eine autarke Gemeinschaft ohne Geld würde in großen Massen funktionieren?

Diese alternatven Lebensweisen, die ganz ohne Geld auskommen können wir nicht übertragen. Ich finde das sehr interessant und sehr mutig so zu leben und für kleinste Gruppen mag das eine Alternative sein aber für die Mehrzahl der Bevölkerung scheidet das aus, wir haben ein funktionierendes Geminwesen, das könnte ich da überhaupt nicht feststellen insofern eignet sich das für eine kleine Minderheit für Aussteiger aber keine Lebensform in der man glücklich ist, in der auch Wachstum und Wirtschaft in irgendeiner Form möglich ist.


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Verena* (Name geändert) ist alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Sie lebt in einer kleinen, drei Zimmer - Wohnung in Hannover. Da sie alleinerziehend ist, ist sie auf die staatliche Unterstützung angewiesen. Sie möchte unerkannt bleiben, hat sich aber auf ein Interview eingelassen und erzählt über ihren Alltag, ihre Sorgen und wie sie trotz der Geldsorgen auf ihr Konsumverhalten achtet.

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Fakt ist, wir leben eindeutig über unsere Verhältnisse. Unser Konsumverhalten bringt viele Folgen mit sich.
Ändern Sie also etwas im Alltag! Das muss kein Leben ohne Geld sein, wenn Sie Ihr Konsumverhalten in Zukunft bewusster gestalten, ist das sehr viel Wert.

Hier ein paar Vorschläge für ein nachhaltigeres und ressourcenschonenderes Konsumieren.

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Konsum mit gutem Gewissen

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"original unverpackt Laden" in Berlin Kreuzberg
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Welche Priorität Sie beim Konsumieren setzen und an welchen Aspekten Sie es hinterfragen, liegt ganz bei Ihnen.


1. ) Plastikkonsum verringern



wiederverwenbare Behälter benutzen. (Brotdosen/Glasbehälter und Mehrwegglasflaschen).
Märkte oder Läden besuchen, die vor Ort die Lebensmittel in den mitgebrachten Behälter füllen.
Vermeiden Sie es Plastiktüten zu kaufen, nehmen Sie vorab eine Stofftasche oder einen Korb mit.

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"original unverpackt Laden" in Berlin Kreuzberg
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Regional einkaufen

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Hier werden die Kräuter und Backmischungen in Mehrweggläsern aufbewahrt
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Am besten, Sie bevorzugen saisonale und regionale Lebensmittel mit kurzen Transportwegen. Ausländische Produkte mit Biosiegel sind zwar nachhaltig angebaut, unterliegen jedoch langen Transportwegen. Dabei entstehen Treibhausgase. Zur längeren Haltbarkeit müssen die Lebensmittel zudem mit Chemikalien behandelt werden.  Unterstützen Sie lieber Biobauern und Imker, die konventionell arbeiten.

Informationen zu vielen Produkten bietet außerdem die Smartphone-App von barcoo. Die App ermöglicht den Barcode abzuscannen, Bewertungen durchzulesen und sich so die Kaufentscheidung zu erleichtern.

Gütesiegel stehen nicht gleichzeitig für biologischen kontrollierten Anbau, das Label “Bio-Siegel” und “Ökologischer Landbau” werden hingegen staatlich kontrolliert.

Kaufen Sie nur so viele Lebensmittel, wie Sie auch verbrauchen können und verwerten Sie die Reste selbst oder über "foodsharing".

Nutzen Sie Permakultur, bauen Sie sich z.B einen Kräutergarten auf dem Balkon an oder Gemüse und Früchte im Garten. Hilfreiche Tipps gibt es bei mundraub.org. Wer nicht die Möglichkeit hat, kann über "urban gardening" öffentliche Plätze nutzen.

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Hier werden die Kräuter und Backmischungen in Mehrweggläsern aufbewahrt
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Energie und Wasser sparen

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Kaufen Sie bewusster: Haushaltsgeräte mit guter Energiebilanz kaufen (A++).
Zwar ist die Anschaffung teurer, dafür umweltfreundlicher und lohnt sich über die Jahre.

Verwenden Sie Steckdosenleisten mit Netzschalter oder Funksteckdosen, mit denen alle Geräte komplett vom Stromnetz abgeschaltet werden können. Denn auch im Standby verbrauchen die Geräte Strom. Beim Neukauf unbedingt auf den Standby-Verbauch achten – er sollte unter 0,5 Watt betragen.

Wir nutzen Wasser täglich und auch die genutzten Konsumgüter verbrauchen Unmengen an Wasser für ihre Produktion. In anderen Teilen der Welt fehlt es an der täglichen Trinkwasserversorgung. Dies sollte uns zum Nachdenken anregen. Reduzieren Sie daher den Konsum an Wasser und Energie. 



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Fairness hat seinen Preis

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Beim Kleidungskauf auf die Herkunft, Arbeitsbedingungen achten. Näher und Näherinnen aus den Produktionsländern arbeiten täglich 12-14 Stunden und sind giftigen Dämpfen durch die verwendeten Bleichmittel ausgesetzt. Dabei verdienen sie ca. 0,4% vom Gesamtpreis der Ware, das in Europa viel teurer verkauft wird. Das ist alles andere als fair.

Unterstützen Sie lieber fair trade und bezahlen Sie mehr für Qualität als Massenabfertigung und schlechte Arbeitsbedingungen. Ist es finanziell nicht möglich, kaufen Sie günstig Secondhand Kleidung. Auch hier gilt, kaufen Sie nach Bedarf.

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Wird die Kleidung nicht mehr getragen kann sie in
Secondhand Läden oder in seriösen Sammelstellen abgegeben werden. Möchte man Jemandem eine Freude machen, kann man es im "Umsonstladen" abgeben oder auf Ebay unter der Rubrik "zu verschenken" reinstellen.



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Danke fürs Zusehen!

Danke
an mein Team an Tom, Nora und Micha für die großartige Unterstützung und die tolle Zeit.

Danke an alle Interviewpartner für die tollen Begegnungen.
An die Bewohner vom Friedenshof Jan und Karsten
An Raphael
An Shi Yongchuan
An Sancho und Nicoletta
An Aischa
An Gert
An Franziskus und Patto von der Mitmachküche
An Verena*
An Herrn Thiele
An Herrn Harstrick
Thank you to Bea

Danke für Eure Geduld!



Quellen:
www.zerowastehome.com
"Glücklich ohne Geld", Raphael Fellmer, Redline Verlag, 2014 München
http://original-unverpackt.de/presse/
http://www.dhamma-dana.de/buecher/santikaro_bhikkhu+viriya-dana.htm
http://www.buddhanetz.org/texte/wirtbudd.htm

Studien:
http://bit.ly/1HzDSDM
http://bit.ly/1tdAuCI
http://bit.ly/1JKrceP
Musik (Trailer): Synthager - Lost part [piano dubstep 2011]

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