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Flüchtlinge in Franken

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Flüchtlinge - ein Wort, viele Meinungen und etliche Sichtweisen. Auch hier hoffen Tausende Neuankömmlinge auf ein sicheres Leben. Eine Herausforderung für die neuen, aber auch alten Bewohner der Region. Wir beleuchten das Thema aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln und stellen die Neuen in Franken vor.

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Verantwortliche im Sinne des §55 Abs. 2 Rundfunkstaatsvertrag:

Annalena Sippl
Schuckertstraße 19, 90459 Nürnberg
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Jakob Wassenaar
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Veronika Kügle
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Ein Projekt der Hochschule Ansbach, Studiengang Ressortjournalismus (Fach “Projekt Crossmedia”) und Nordbayern.de, das Online-Portal der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung.

Sämtliche Musikstücke, die für diese Website verwendet wurden, sind gema- sowie lizenzfrei.
 
Fremdmaterial:
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
 Kirchenasyl: kirchenasyl.de
 Sicherheitsbericht Polizei Mittelfranken 2016
 “So funktioniert das Asylverfahren”: süddeutsche.de (01.09.2015)
Amnesty International
UNO-Flüchtlingshilfe
Musik: Final Cut und frametraxx
 “Erinnerungen aus Syrien”: Familie Osso Privat




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Samer Al Najar ist 30 Jahre alt und arbeitet in der Szene-Burgerbar „Kuhmuhne“. Er lebt seit Oktober 2015 in Nürnberg und fühlt sich jetzt schon wie ein echter Franke. 

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Samer wuchs im syrischen Damaskus auf und lebte dort zusammen mit seiner Familie. 2015 rückte dann aber die Terrormiliz "Islamischer Staat" bis an die Tore der syrischen Hauptstadt vor und es kam zu heftigen Gefechten.

Dabei wurde Samer von einer Bombe verletzt, noch heute erinnern ihn die großen Narben an seiner Schulter an diesen schlimmen Tag. Seit der Explosion ist er auf einem Ohr taub. Samer entschied sich zur Flucht nach Deutschland.

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Der Neustart in Deutschland war für Samer alles andere als leicht. Zusammen mit Hunderten anderen Geflüchteten lebte er anfangs in einem großen Zelt. Doch dank der Unterstützung der Sozialarbeiterin, die für ihn zuständig war, ging es für ihn bald bergauf.

Mittlerweile lebt Samer in einer eigenen Wohnung mitten in Nürnberg. Hier hat er viele neue Freunde gefunden, die jederzeit für ihn da sind und ihm bei Schwierigkeiten weiterhelfen. Dennoch telefoniert er täglich mit seiner Familie in Syrien - denn er vermisst sie sehr.

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Ablenkung von trüben Gedanken findet Samer bei seiner Arbeit. Er brät in der "Kuhmuhne" in der Nürnberger Altstadt hippe Burger und leckere Pommes-Varianten. Als echter Franke trinkt er gerne Bier, wie er selbst sagt - nur Schweinefleisch isst er nicht. 

Samer gefällt seine Arbeit sehr, er lobt seine Kollegen und die freundschaftliche Atmosphäre, die dort herrscht. Er wünscht sich, weiter hier arbeiten zu dürfen und hofft, seine Familie bald nach Deutschland holen zu können.

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Shaima Farhan ist 29 Jahre alt und im Sommer 2015 aus dem Irak geflüchtet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in einer Wohnung in Nürnberg. Derzeit hat sie eine Aufenthaltserlaubnis, die auf ein Jahr befristet ist. Doch für ihre Zukunft in Deutschland hat sie schon konkrete Pläne.

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Wie war Ihr Leben in Bagdad?

Ich habe Jura studiert und fünf Jahre lang als Rechtsanwältin gearbeitet. Als Juristin beim Planungsministerium habe ich im ganzen Land Korruptionsfälle aufgedeckt. Meine Aufgabe war es, Behörden wie zum Beispiel das Gesundheits- oder Finanzamt zu kontrollieren. Mein Beruf war vergleichbar mit dem einer Detektivin. Bis zu dem Tag vor meiner Flucht habe ich dort gearbeitet. Allerdings hatte ich schon lange Zeit davor ein Visum beantragt. Aber um in Europa bleiben zu dürfen, braucht es viel Zeit, Geld, Arbeit und Geduld.

Warum mussten Sie nach Deutschland fliehen? 

Meine Eltern wurden getötet und deshalb musste ich nach Deutschland fliehen. Die Flucht hat 21 Tage gedauert, ich war zu dieser Zeit hochschwanger. Teilweise sind wir mit dem Auto gefahren, aber große Teile des Weges mussten wir laufen. Es war schrecklich.

Es ist sicher schwer so vieles hinter sich zu lassen…

Ja, ich vermisse meine Freunde, meine Wohnung, einfach alles. Aber die Menschen hier waren so hilfsbereit und großherzig. Nürnberg ist eine tolle Stadt!

Was sind die stärksten Unterschiede zwischen Deutschland und dem Irak?

Oh, da gibt es viele. Die Kultur ist ganz anders. Die Gesellschaft in Deutschland ist viel aufgeschlossener, im Irak kann ich nicht offen meine Meinung sagen. Es gibt dort so gut wie keine Freiheiten.

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Wie sieht momentan ihr Alltag aus?

Zurzeit habe ich sehr viel zu tun. Vormittags mache ich mein Praktikum beim Menschenrechtszentrum, danach muss ich meinen kleinen Sohn abholen, den Haushalt führen, kochen und den nächsten Tag organisieren. Nebenbei lerne ich noch und bereite mein Seminar bei der Stadtmission zum Thema Gewalt gegen Frauen vor. Außerdem mache ich zweimal die Woche drei bis vier Stunden Sport. Diese Zeit für mich brauche ich einfach.

Erzählen Sie uns mehr von Ihrem Projekt „Gewalt gegen Frauen“!

Ich finde das ist ein unglaublich wichtiges Thema. In arabischen Ländern müssen Männer ihre Frau nicht respektieren. In Facebook habe ich eine Gruppe gegründet: „Frauenrechte im Irak“. Dort habe ich zwei Geschichten gehört von unterschiedlichen Frauen, die jahrelang unter ihren Männern gelitten haben. Eine von ihnen war erst 13 Jahre alt. Im Irak ist es gesellschaftlich akzeptiert, seine Frau zu schlagen. Es gibt zwar Gesetze, die das verhindern sollen, aber niemanden der eingreift. Oft höre ich von Frauen aus meiner Heimat, ich würde ihre Vorstellungen von einer Beziehung, die tief in ihrer Religion verankert sind, angreifen. Ihr Glaube schreibt ihnen vor, ihren Mann zu respektieren. Also akzeptieren sie ihre Situation so wie sie ist. Wenn ich davon erzähle, dass ich mich für Frauenrechte einsetze und etwas verändern möchte, sehen sie das als Verrat.

Was sind ihre Aufgaben bei ihrem Praktikum im Menschenrechtszentrum?

Ich schreibe an meinem Artikel und recherchiere zum Thema „Gewalt gegen Frauen“. Zurzeit suche ich nach einer Frau, die Gewalt im Irak erlebt hat und mir von ihren Erfahrungen erzählen würde. Wie sie sich gegen die Gewalt gewehrt hat und an welchem Punkt sie sich entschieden hat, zu handeln. Das soll eine etwas größere Geschichte werden.

In dieser Woche hat mir das Menschenrechtszentrum angeboten, Vorträge in Flüchtlingsheimen zu halten. Sie sollen ungefähr eineinhalb Stunden dauern und einen Überblick über die Rechte und Freiheiten in Deutschland geben: Was Zuwanderer über die Gesetze und die Kultur hier in Deutschland wissen müssen. Wie die Gesellschaft zu Beziehungen steht und wie wichtig hier die Religions- und Meinungsfreiheit ist. Frauen in kurzen Kleidern zu sehen ist beispielsweise für viele Zuwanderer ungewohnt. Wenn sie hier leben wollen, müssen sie das aber akzeptieren und respektieren.

Was sind ihre Pläne und Wünsche für die Zukunft?

Ich habe so viele Pläne und möchte alles so schnell wie möglich schaffen. Da muss ich mir selbst dann sagen: Schritt für Schritt. Im Herbst beginne ich meinen Master of Laws (Rechtswissenschaft). Bis dahin werde ich noch einen weiteren Deutschkurs belegen, um B2 zu erlangen. Irgendwann möchte ich vielleicht eine Menschenrechtsbewegung gründen. Ich wünsche mir, hier arbeiten zu können und ein schönes Leben mit meiner Familie zu führen. Meine Idealvorstellung wäre natürlich, dass der Irak irgendwann so wäre wie Deutschland, aber das erscheint mir noch unmöglich.

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aus Aleppo, Syrien

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Familie Osso hatte ein gutes Leben in Syrien, ein Leben, das sie sich heute zurückwünscht. Wenn die beiden Töchter Aymaf (17) und Romav (19) von früher erzählen, fangen ihre Augen an zu leuchten. Ihr Vater arbeitete als Geschäftsführer einer Olivenfarm in Afrin, einer kurdischen Enklave im Norden Syriens. Zusammen mit ihrer Mutter lebten die beiden Töchter und die zwei Söhne, Saradost (12) und Asdasher (14) im etwa 60 Kilometer entfernten Aleppo, denn dort besuchten die Kinder die Schule. Die Ferien verbrachten die fünf aber immer auf dem Hof des Vaters – umgeben von schönster Landschaft, ihren Verwandten und vielen Tieren.

An einem Tag im Jahr 2013 änderte sich dann aber alles: „Daesh“, wie der Vater die Terroristen des sogenannten Islamischen Staates nennt, durchsuchten das Dorf, während sich die Familie im Keller des Hauses versteckt hielt. Als Jesiden gelten sie für den IS als Ungläubige und hätten um ihr Leben fürchten müssen. Hals über Kopf machte sich Familie Osso zur türkischen Grenze auf – der Beginn einer Flucht, die einem Martyrium gleicht.

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Im Theater Pfütze in der Nürnberger Nordstadt lernten die Schwestern Aymaf und Romav schließlich Pauline Buff kennen. Die Theaterpädagogin wurde schnell zur Vertrauensperson für die ganze Familie und half den Ossos durch schwere Zeiten.

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Bis Sommer 2015 lebte Ali glücklich mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in Bagdad. Als Journalist setzte er sich für Menschenrechte in seinem Land ein. Doch gerade sein Engagement für ein Ende der Kinderehe wird ihm zum Verhängnis. Seine Welt drohte zu zerbrechen - von einem auf den anderen Tag musste er fliehen.

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Familie Staonychyi aus Feodossija, Krim

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Von der Krim nach Nürnberg

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Der elfjährige Yulian lacht und sprintet die Stufen zur Kaiserburg hinauf. Etwas langsamer folgen seine Eltern Mariana und Andrij.  Geboren und aufgewachsen ist Yulian in Feodossija, einer Stadt im Südosten der Halbinsel Krim. Als die Annexion der Schwarzmeerhalbinsel durch Russland im vollen Gange war, kamen Soldaten auch in die Heimatstadt der Staonychyis. Als sie die Familie bedrohten, entschieden sich die Eltern zu fliehen.

Dreißig Stunden lang fuhren die drei im Laderaum eines Lkw mit, ehe sie Deutschland erreichten. Seit zwei Jahren leben sie nun zusammen in einem etwa zwanzig Quadratmeter großen Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft in Nürnberg. Eine kleine Küchenzeile mit einem Waschbecken, ein Hochbett, ein Holztisch mit vier Stühlen – viel mehr findet hier nicht Platz.

In einer Zimmerecke am Fenster steht der kleine quadratische Schreibtisch von Yulian. Dicht an dicht reihen sich hier Familienfotos und Zeichnungen des Jungen. Stolz hebt er ein etwa dreißig Zentimeter langes Pappmaché-Schiff hoch, das er mit Hilfe seines Vaters gebastelt und anschließend bemalt hat.

Für Yulian ist Deutschland perfekt. Nur das Internet war in der Ukraine besser, sagt er verlegen und lacht. Die Sprache hat er schnell gelernt, auch in seiner Schulklasse hat er zügig Anschluss gefunden. Voller Begeisterung zählt er die Namen seiner Freunde auf. Für seine Eltern ist die neue Sprache noch recht schwierig, oft hilft der Junge ihnen bei Übersetzungen oder korrigiert sie, sobald sie ein Wort falsch betonen. Vater Andrij, 33 Jahre alt und ausgebildeter Trockenbauer, macht gerade ein Praktikum bei einer Firma in Ansbach. Seine Frau Mariana ist ebenfalls 33 Jahre alt und gelernte Betriebswirtin. Nebenbei hat sie freiberuflich als Stylistin gearbeitet, eine Leidenschaft, die sie auch in Nürnberg weiter verfolgt.

So lange nicht über die Zukunft der Familie entschieden ist, dürfen sich die beiden in Deutschland keine dauerhafte Arbeit suchen. Mit ihrer Aufenthaltsgestattung heißt es abwarten. Obwohl die drei viel in der alten Heimat zurückgelassen haben, wünschen sie sich hier bleiben zu können. Vor allem für Yulian sei Deutschland die Chance auf ein besseres Leben.

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Gute Freunde, eine nette Lehrerin und ein sicheres Zuhause - eigentlich ist der elfjährige Yulian in Deutschland glücklich. Einen großen Wunsch hat er aber dennoch.

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Viele Länder, unzählige Städte: Hatem hat einen langen Weg hinter sich – doch noch immer kein Zuhause. Hier in Deutschland darf er nicht bleiben. Der junge Iraker verliert trotzdem nie den Mut.

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Für Tausende Neuankömmlinge musste auch in Nürnberg Wohnraum gefunden werden – kein leichtes Unterfangen. Doch was wird bei der Verteilung der Flüchtlinge beachtet, wer hilft den Menschen vor Ort und wie sieht es in so einer Unterkunft eigentlich aus? Wir haben uns umgesehen.

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Die Soziologin Laila Herrmann ist unter 40 Männern die einzige Frau im Flüchtlingsheim. Sie betreut die Bewohner und ist Ansprechpartner und Streitschlichter zugleich. Mit ihren beiden Unterkünften liegt Laila knapp über dem Schlüssel von hundert Bewohnern pro Sozialarbeiter. Die Nähe zum Menschen ist ihr besonders wichtig.

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Heime, Hallen oder ausgemusterte Hotels – die Unterbringung der Neuankömmlinge stellt auch die Stadt Nürnberg immer wieder vor Herausforderungen. Gemeinsam mit seinem Team schafft Christian Mätzler, Leiter der Fachstelle für Flüchtlinge, jeden Tag den Spagat zwischen Verwaltung und Sozialer Arbeit - für den gelernte Bankkaufmann mit einem Masterstudium in Sozialer Arbeit eine Herzensangelegenheit.

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Zu seinen Aufgaben gehört die individuelle Förderung der Kinder in Deutsch und Mathe, er unterrichtet außerdem die Deutsch-als-Zweitsprache-Fördergruppe (DaZ), in der viele Kinder geflüchteter Familien sind. Der Vater von drei Töchtern pendelt jeden Tag von Bayreuth mit dem Zug in die Noris.

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Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

An dieser Schule bin ich nun seit 2016, vorher war ich Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Schließlich habe ich mich aber umorientiert, ich wollte irgendwas mit Menschen machen. Nach einem Praktikum an einer Grundschule habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir dieser Job macht. 2010 habe ich dann das Studium begonnen.

Aus welchen Schülern und Schülerinnen besteht die DaZ-Gruppe?

Momentan sind zwölf Kinder in dieser Klasse, der Großteil kommt aus Syrien. Ein Mädchen kommt aus dem Irak, eine Schülerin stammt aus Pakistan und ein Junge ist in Griechenland aufgewachsen. Vor Kurzem habe ich nun wieder einen irakischen Schüler dazu bekommen. Die Kinder sind zwischen elf und 14 Jahren alt, der Kurs ist da recht offen, es kommt auf den Sprachstand der Schüler an. Ich habe noch einen zweiten Kurs, der quasi für Fortgeschrittene ist.

Wie groß sind die Lernunterschiede zwischen Ihren Schülern und Schülerinnen?

Vom Analphabeten bis hin zum Kind, dem alles leicht fällt, gibt es wirklich alles. Ich habe im Moment einen Jungen in der Klasse der hatte schon in Syrien Lernschwierigkeiten. Dort hat er die Vorschule und die erste Klasse zweimal gemacht. Er konnte selbst seine Muttersprache weder lesen noch schreiben. Seine Mutter hat sich Sorgen gemacht und zu mir gesagt, sie wüsste schon, dass ihr Kind schlecht sei in der Schule. Aber ich habe ihr auch gesagt, ihr Kind ist nun seit eineinhalb Jahren hier, hat eine neue Sprache gelernt und versteht alles. Er kommt gut mit und ist glücklich hier in der Schule.
Auf der anderen Seite gibt es Kinder, die sehr schnell lernen. Ein Mädchen aus Syrien hat nach kurzer Zeit den Übertritt auf das Gymnasium geschafft. Einer meiner Schüler war nur ein halbes Jahr im Deutschkurs nachmittags. Er ist nun in der regulären Klasse, bekommt dort ganz normal seine Noten und lernt durch die anderen Kinder viel an Wortschatz. Man kann kein Kind lernend machen, das kommt von alleine. Man kann sie nur begleiten.

Fallen Ihnen Unterschiede zwischen den Flüchtlingskindern und Ihren anderen Schülern und Schülerinnen auf?

Besonders zu Beginn haben die Kinder aus der DaZ-Gruppe auffällig viel gestritten. Sogar bei einem Spiel eskalierte eine Situation sofort. Ich habe das Gefühl, dass sie in der geistigen Entwicklung alle etwas zurück waren. Aber es gab auch körperliche Auffälligkeiten - als sie herkamen waren die Kinder alle ganz zierlich und klein. Nun, nach einem Jahr, merkt man schon, wie es besser wird. Aus der Gruppe ist eine Gemeinschaft geworden und die Kinder entfalten sich langsam, das ist ein sehr schönes Gefühl.





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Mittags essen die Kinder der DaZ-Gruppe gemeinsam mit Lehrer Zitzmann im Schulcafe. Zwei Drittel der Kosten für das Essen übernimmt die Stadt, die auf diese Weise viele einkommensschwache Familien unterstützt. Für den Lehrer ist es wichtig, dass die Flüchtlingskinder diese Vergünstigung wertschätzen: „Sonst denken sie, dass es hier alles umsonst gibt.“ 

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Die unterrichtsfreie Zeit verbringen die Kinder der DaZ-Gruppe am liebsten auf dem Fußballplatz vor dem Schulhaus. Lehrer Zitzmann kickt Bälle umher und feuert abwechselnd beide Teams an. „Das ist doch keine Arbeit, das ist doch toll“, erklärt er lachend. In der ersten Zeit gab es hier jedoch immer wieder Konflikte: Für viele der Jungen passten fußballspielende Mädchen nicht ins gewohnte Frauenbild.

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Der Nachmittagsunterricht bei Lehrer Zitzmann folgt keinem festen Lehrplan. Der 36-Jährige nimmt sich viel Zeit, um die Alltagsfragen der Schüler zu klären: Warum laufen Jungen hier nicht Hand in Hand über den Pausenhof, weshalb verkleiden sich Kinder an Halloween und wie verhält man sich in der Straßenbahn richtig? 

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Wie werden die Flüchtlingskinder in den Schulalltag eingegliedert?

In Bayern setzt die Schulpflicht drei Monate nach der Ankunft der Kinder ein, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen gibt es Übergangsklassen, da wurden ganz viele aufgemacht. In einer solchen Klasse sind dann nur Kinder, die kein Deutsch sprechen, egal ob die Ursache eine Flucht oder ein Umzug war. Sie haben dann ganz normale Fächer, kein Englisch, dafür aber mehr Deutschunterricht. Nach einem, bis maximal zwei Jahren, wechseln die Kinder dann in eine Regelklasse. Hier an der Friedrich-Wilhelm-Herschel-Schule wurden die Kinder von Anfang an auf die regulären Klassen verteilt. Stundenweise hole ich die Jungen und Mädchen, die Sprachprobleme haben, vormittags aus dem Unterricht. Am Nachmittag haben diese Kinder dann weitere Stunden Deutschunterricht.

Ich finde es gut, wenn sie in den regulären Klassen sind. Die meiste Sprache lernen sie ja auch draußen auf dem Pausenhof, wenn sie mit anderen Kindern sprechen. Außerdem ist der Vergleich ein anderer, in der Übergangsklasse sind sie vielleicht ein guter Schüler, doch in den normalen Klassen lernen sie schnell, sich richtig einzuschätzen.

Wie gehen Sie mit der Sprachbarriere um?

Eigentlich gibt es keine Sprachbarriere, man versteht unheimlich viel durch Mimik und Gestik und kann sich oft aus der Situation erschließen was der andere meint. Wenn man da keine Angst davor hat, dann ist das gar kein Problem. Die Kinder verstehen mehr, als man denkt. Oft spreche ich auch ganz normal Fränkisch. Das bringt ihnen ja auch mehr, sie müssen ja auch die Menschen in der Öffentlichkeit verstehen. „Sappralott“ ist für die Schüler beispielsweise immer ein lustiges Wort, da lachen sie dann alle.

Die Anfangszeit in den regulären Klassen war für die Kinder aber wirklich knallhart: Sechs Stunden Unterricht, von dem sie kaum ein Wort verstanden haben, da ist dann schon mal ein Kind eingeschlafen. Auch für viele Klassenlehrer war diese Situation schwer auszuhalten – aber es hat sich gelohnt.

Haben Sie das Gefühl, dass manche der Kinder durch Erlebtes traumatisiert sind?

Jeder hat irgendjemanden im Krieg verloren. Einer der Jungen hat viele Probleme, er ist noch Bettnässer und hat anfangs kaum gesprochen, jetzt blüht er langsam auf. Sein Vater hat mir erzählt, dass er die Probleme wohl seit der Bombardierung der Heimatstadt hat. Manche Schüler oder Schülerinnen haben ihre Mutter verloren, bei vielen sind die Familienmitglieder noch getrennt. Wenn die Kinder von sich aus anfangen davon zu erzählen, dann lasse ich sie auch. Manchmal weint dann auch jemand. Ich sage dann immer wieder, dass hier alles in Ordnung ist.

An welchen Moment erinnern Sie sich gerne?

Für mich war es ein großes Erlebnis, als ich die Kinder nach den Sommerferien hier wieder getroffen habe. Obwohl sie alle sechs Wochen nicht in der Schule waren, haben sie große Fortschritte gemacht und man konnte sich auf einer ganz anderen Ebene miteinander unterhalten. Und natürlich auch die Vertrautheit, man hängt ja auch an den Kindern und die hängen ja auch an einem. Man streitet sich auch mal, aber es kommt auch viel Nettes.

Was motiviert Sie, auch in Zukunft als Lehrer zu arbeiten?

Ganz klar, die Kinder! Sonst könnte ich mich ja auch nach Bayreuth bewerben oder mich versetzen lassen. Aber da fahre ich lieber eine Stunde! Ich fühle mich verantwortlich für alle meine Schüler, die Kinder sind so herzlich. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es wird, wenn sie in ein paar Jahren den Abschluss machen. Da freue ich mich wirklich drauf. Und wenn sie die Prüfung schaffen, dann bin ich richtig stolz auf sie.

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Für ihre Kurse hat Svenja Herget sogar ihren Beamtenstatus aufgegeben: Die gelernte Sonderschullehrerin bringt Flüchtlingen die deutsche Sprache bei - ganz von Anfang an. Dabei stellt sie fest, dass im Grunde alle Menschen die gleichen Ziele haben.

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Svenja Herget, 52 Jahre alt, Sonderschullehrerin - Didaktik des Deutschen als Zweitsprache

Aufmerksam: Die Schüler von Svenja Herget folgen gespannt ihrem Unterricht
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Wie ist es dazu gekommen, dass Sie als Deutschlehrerin in einem Integrationskurs unterrichten?

Nach einer längeren Erziehungszeit mit drei Adoptivkindern habe ich letztes Jahr wieder begonnen als Sonderschullehrerin zu arbeiten. Als die Flüchtlingswelle nach Deutschland kam, wollte ich gerne zusammen mit diesen Menschen arbeiten. Leider musste ich feststellen, dass eine solche Arbeit als Sonderschullehrerin gar nicht möglich ist. Normalerweise machen das Grund- und Hauptschullehrer, die schlechter bezahlt werden, als ich. Eher durch Zufall bin ich auf das Bildungszentrum in Nürnberg gestoßen. So habe mich dazu entschlossen, meinen Beamtenstatus aufzugeben und einen Integrationskurs anzufangen.

Wie viele Menschen unterrichten Sie insgesamt und in welchem Umfang?

Im Bildungszentrum ist es immer so geregelt, dass zwei Kollegen einen Kurs leiten, meine Kollegin unterrichtet den Kurs am Montag und Donnerstag und ich dienstags und mittwochs. Das hat viele Vorteile: Wir können uns absprechen und jeder bringt seine eigene Art des Unterrichts ein. Meine derzeit zwölf Kursteilnehmer kommen vier Tage die Woche für jeweils fünf Unterrichtsstunden, also insgesamt 20 Stunden in der Woche. Zuhause bin ich durch meine Kinder noch stark eingebunden, deswegen leite ich nur einen Kurs.

Woher kommen Ihre Schüler ursprünglich und welche Altersgruppen unterrichten Sie? Ist die Anzahl von Männern und Frauen ausgeglichen?

In diesem Kurs kommen zwei Personen aus Rumänien und eine Frau aus Bulgarien, also drei EU-Bürger. Die meisten aber sind Flüchtlinge aus dem Iran, Irak und Syrien. Auch einige Kurden sind unter den Kursteilnehmern. Der jüngste Schüler ist 22 Jahre alt und der Älteste ist 57 Jahre alt, wobei das Verhältnis von Männern und Frauen ungefähr ausgeglichen ist. Nach jeweils fünf Wochen endet ein "Modul" und dann kommen manchmal neue Teilnehmer dazu oder ein oder zwei Teilnehmer verlassen den Kurs.

Was sind die Unterrichtsinhalte und wie werden diese vermittelt?

Es gibt sechs Deutschmodule und einen Orientierungskurs mit Geschichte und Sozialkunde. In diesem werden Dinge vermittelt wie das Wahlsystem, Rechtliches, die Ämter, die Religionen in Deutschland, wie heißen die Feste, warum werden sie gefeiert und Ähnliches. Für Geschichte stehen nur wenige Tage zur Verfügung. Dann lernen wir etwas über die Zeit von ungefähr 1930 bis jetzt und gehen zusammen ins Dokumentationszentrum.

Der wichtigste Unterrichtsinhalt ist natürlich die Sprache. Wir haben ein Kursbuch, das vom Bildungszentrum für alle Integrationskurse festgelegt ist. Allerdings habe ich relativ viele Freiheiten, beispielsweise führe ich die Grammatik auf meine Weise ein und nutze das Buch nur als Übungshilfe. Natürlich spreche ich mich mit meiner Kollegin ab, denn wir müssen die Lektionen durchbringen. In der Gestaltung des Unterrichts habe ich schon viele Freiheiten, das ist auch sehr schön! (lacht)

Am Ende steht ein Test, der das Sprachniveau B1 prüft. Dieser Test besteht aus einem mündlichen und schriftlichen Sprachtest und einen Test namens LID, abgekürzt für „Leben in Deutschland“. Ich selbst prüfe aber nicht, ich bereite nur auf die zentrale Prüfung vor. Die spezielle Prüfungsstelle "telc" leitet die Ergebnisse dann an das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) weiter.

Da es in Ihrem Fall keine klassischen Schuljahre gibt: Wie lange unterrichten Sie Ihre Schüler im Durchschnitt?

Ungefähr ein dreiviertel Jahr, die Module schließen direkt aneinander an. Die Schüler haben eigentlich keine Ferien, worunter sie gerade im Sommer leiden. Nur im Oktober gibt es eine Woche Ferien, im Winter und im März haben die Schüler zwei weitere Wochen frei. Kurse beginnen, wenn Bedarf besteht: Wenn sich viele Berechtigte melden, dann startet das Bildungszentrum einen neuen Kurs. Es gibt Vormittags- und Nachmittagskurse, in den Kursen am Vormittag sind zum Beispiel mehr Mütter anwesend.

Wie gehen Sie mit der Sprachbarriere um?

Also wir haben jetzt Modul eins, das heißt es sind Sprachanfänger. Ich benutze eine sehr einfache Sprache und mache auch viel pantomimisch vor. Es ist auch eigentlich nicht üblich, dass man etwas anderes spricht als Deutsch. Ich selbst spreche einige Sprachen, auf jeden Fall Englisch und Französisch. Die beiden Rumänen sprechen fließend Englisch, eine Frau aus Syrien kann auch fließend Englisch und übersetzt im Zweifelsfall ins Arabische und zur Not übersetzt jemand vom Arabischen noch ins Türkische. Bei jedem Kurs ist das anders, je nachdem was für Leute da sind. Wir finden immer einen Weg, aber es ist nicht einfach, Grammatik in einer Fremdsprache zu vermitteln - für Arabisch-Schreibende ja auch noch in einer fremden Schrift.

Was sind in Ihrem Beruf die größten Schwierigkeiten?

Ich persönlich sehe keine großen Schwierigkeiten. Im letzten Kurs hatte ich einen jungen Mann aus dem Iran, der wohl traumatisiert war. Da das BAMF den Kurs bezahlt, muss ich Notizen machen, wer kommt, und wer früher geht. Ich hatte ihn aufgeschrieben, weil er früher ging. An einem anderen Tag vergaß ich einen anderen Kursteilnehmer zu notieren. Deswegen dachte er, ich hätte etwas gegen Menschen aus dem Iran. Solche Missverständnisse kann es schon geben, da muss man sensibel sein und das möglichst schnell aufklären.

Können Sie Berufliches und Privates trennen? Nehmen Sie manchmal Geschichten ihrer Schüler mit nach Hause?

Da wir nur kurze Pausen haben, kommt es nicht vor, dass die Teilnehmer viel von ihren Fluchtgeschichten erzählen. Sie sind hier, möchten Deutsch lernen und sind mehr mit dem Alltag beschäftigt. Ich nehme eher Positives mit nach Hause, denn wir lachen viel!

Gibt es Schüler, die sich beim Lernen leichter tun als andere?

Natürlich merkt man große Unterschiede. Eine meiner Kursteilnehmerinnen ist Arabischlehrerin, sie lernt sehr schnell. Einige haben einfach weniger Schulbildung, weil sie durch den Krieg nicht die Möglichkeit hatten, lange eine Schule zu besuchen. Männer sind auch oft nicht so sprachbegabt und hier ist die Sprache das einzige Fach. Die Unterschiede sind sehr groß und werden im Laufe des Kurses eher noch größer, weil sich die Teilnehmer unterschiedlich engagieren.

Was ist für Sie das Schönste an Ihrer Arbeit?

Ich finde es sehr schön zu merken, dass wir Menschen alle gleich sind. Die Verbindung mit Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen finde ich umwerfend! Jeder möchte gerne eine Familie haben, eine schöne Wohnung haben, einen Beruf haben. Das ist für uns das Ziel, das ist für alle Menschen hier das Ziel. Dann die Sorgen, die mir die Mütter erzählen. Die kenne ich, da kann ich gut mitfühlen. Oder gestern hatten wir „können und wollen“, die Modalverben. Dann haben wir Sätze gebildet mit „ich will“, und da schreibt ein 23-Jähriger: „Ich will eine Freundin“. Mein Sohn ist auch 23 und könnte genau das gleiche schreiben. Der Kursteilnehmer kommt aus dem Iran, mein Sohn kommt aus Deutschland.

Was wünschen Sie sich von den Behörden in Bezug auf Flüchtlinge?

Ich denke, so wie es im Moment gemacht wird läuft es gut. Ich habe keine zusätzlichen Wünsche. Es gibt einen gewissen Druck, den Kurs regelmäßig zu besuchen und  Deutsch zu lernen und der ist auch wichtig. Ich kenne die Arbeit mit Flüchtlingen auch schon von vor 15 Jahren. Damals mussten die Leute zwei Jahre in Flüchtlingsheimen sitzen, die Kinder durften nicht in die Schule gehen. Heute können sie sofort einen Deutschkurs machen, die Kinder können zügig in die Schule. Das sind unglaublich positive Entwicklungen. Schon vor zwei Jahren fand ich es gut, wie die Regierung das in Angriff genommen hat und ich wollte gerne meinen Beitrag leisten.

Wie sind Ihre Zukunftsaussichten?

Ich weiß nicht wie lange es diese Kurse geben wird. Meinen Beamtenstatus habe ich dafür ja aufgegeben, also ich kann nicht so einfach in die Schule zurück. Aber ich denke, ich werde andere Sachen finden. Entweder in anderen Deutschkursen oder vielleicht gebe ich irgendwann einen Französischkurs (lacht). Oder ich bewerbe mich wieder als Lehrerin, vielleicht an einer Waldorfschule.

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So heißt es in der Beschreibung des internationalen Fußball Clubs Zirndorf. Menschen aus den verschiedensten Herkunftsländern wie Syrien, Iran, Irak, Äthiopien, Indien, aber auch Jugoslawien, Somalia und Pakistan treffen sich jede Woche zum Fußball spielen. Christoph Müller ist der Gründer und Organisator der sogenannten “Pick-Up Soccer”-Mannschaft. Der 32-jährige Hotelier sieht Fußball als einen der schönsten Wege für gelingende Integration.

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Neue Kulturen bringen auch leckere Rezepte nach Deutschland. Gemeinsam mit Flüchtlingen kochen Anna, Nora und Kathi kulinarische Besonderheiten. "Recipes Welcome" ist der beste Beweis dafür, dass gelungene Integration durch den Magen geht.

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Asyl - ein Thema, viele Fragen. Zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete in ganz Deutschland ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg.  Ob wichtige Fakten, aktuelle Zahlen oder Abläufe - hier gibt es Antworten.

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1. Abschiebungsverbot

Ein Abschiebungsverbot wird erteilt, wenn keine der möglichen Schutzformen (Asylberechtigung, subsidiärer Schutz, Flüchtlingsschutz) greift und die Rückführung ins Herkunftsland aufgrund gesundheitlicher Gründe nicht möglich ist. Beispielsweise, wenn das Herkunftsland nicht die ausreichende medizinische Versorgung stellen kann oder dort eine erhebliche, konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit besteht. Außerdem gibt es nationale Abschiebungsverbote, wenn beispielsweise die Situation im Land zu instabil wird - wie beispielsweise in Afghanistan. Dieses wird für mindestens ein Jahr erteilt. Quelle: BAMF

2. Aufenthaltsstatus

Eine Aufenthaltsgestattung bekommen Asylbewerber, die sich noch im Asylverfahren befinden. Diese erlaubt ihnen, bis zur Entscheidung ihres Asylantrages in Deutschland zu leben und unter bestimmten Bedingungen zu arbeiten.

Eine Duldung erhalten Asylbewerber, die sich nicht mehr im Verfahren befinden. Außerdem auch Bewerber, die einen negativen Bescheid erhalten haben, deren Abschiebung jedoch ausgesetzt wurde. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen auch Personen mit einer Duldung in Deutschland arbeiten.

Aufenthaltserlaubnis: Siehe Fakt Nummer 8
Quelle: BAMF

3. Dublin-Verfahren

Dublin-Verfahren nennt sich die Regelung zur Aufnahme von Asylsuchenden in Europa. Der Migrant wird dort registriert, wo er zum ersten Mal europäischen Boden betritt. Dadurch soll vermieden werden, dass ein Asylantrag in mehreren Ländern gleichzeitig gestellt wird. Dieses Zuständigkeitsverfahren wird noch vor dem eigentlichen Asylverfahren entschieden. Hier wird geklärt, welches Land zuständig sein soll. Zum Dublin-Raum gehören die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, Norwegen, Island, die Schweiz sowie Liechtenstein.
Quelle: BAMF

4. Erst-/ Folgeantrag
 
Stellt der Asylsuchende das erste Mal einen Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, wird dieser Antrag auch als (Asyl-)Erstantrag bezeichnet. Die Entscheidung nach dem Asylverfahren kann grundsätzlich nicht angefochten werden, es kann lediglich ein neuer, sogenannter Folgeantrag gestellt werden. Das ist jedoch nur unter gewissen Umständen möglich, wenn sich beispielsweise die Rechtslage geändert hat oder neue Beweise vorliegen. Quelle: BAMF

5. Familiennachzug
 
Flüchtlinge, welchen die Flüchtlingseigenschaft anerkannt wurden oder die unter subsidiären Schutz stehen, ist es gewährleistet, Ehegatte oder Ehegattin und minderjährige Kinder ohne zusätzliche Nachweise über Wohnraum oder der Lebensunterhaltssicherung ins Land zu holen. Der Antrag hierzu muss jedoch spätestens drei Monate nach Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft / des subsidiären Schutz eingereicht werden. Ansonsten entscheidet die zuständige deutsche Auslandsvertretung nach eigenem Ermessen. Ausgeschlossen sind Schutzsuchende, welche unter Abschiebungsverbot stehen. Während eines laufenden Asylverfahrens kann kein Antrag auf Familiennachzug gestellt werden. Quelle: BAMF

6. Genfer Konvention - Flüchtlingsschutz
 

Die Genfer Konvention definiert den Flüchtlingsschutz. Als Flüchtling gilt, wer sich aufgrund seiner Rasse, Nationalität, politischer Überzeugung, Religion oder Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen (beispielsweise seiner sexuellen Orientierung) außerhalb seines Herkunftslandes befindet und dort keinen Schutz erwarten kann, aus Furcht nicht zurückkehren kann oder verfolgt wird.
Quelle: BAMF

7. Kirchenasyl
 
Kirchenasyl beschreibt die vorübergehende Aufnahme von Flüchtlingen ohne legalen Aufenthaltsstatus in eine Pfarrei oder Kirchengemeinde. Vorausgesetzt die Gemeindemitglieder empfinden die Rückkehr in ihr Herkunftsland als lebensbedrohlich oder nicht zumutbar. Um einer Verhaftung und der daraus folgenden Abschiebung zu entgehen, dürfen die Schutzbedürftigen über 18 Jahren das Kirchengelände während der Zeit des Kirchenasyls nicht verlassen.
Quelle: www.kirchenasyl.de

8. Schritte bis zur Staatsbürgerschaft

Wird das Asylverfahren positiv entschieden, erhält der Asylberechtigte eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Wenn nach dieser Zeit eine Sicherung des Lebensunterhaltes und ausreichende Sprachkenntnis vorgewiesen werden können und die Bedrohung durch das Herkunftsland weiterhin besteht, wird die Niederlassungserlaubnis erteilt. Nach acht Jahren besteht die Möglichkeit einer Einbürgerung, sofern der Lebensunterhalt und Sozialleistungen gedeckt werden können, ausreichend Sprachkenntnis vorhanden ist und der Einbürgerungstest erfolgreich absolviert wurde. Quelle: BAMF

9. Sichere Herkunftsländer

In Deutschland werden alle Länder der Europäischen Union sowie Albanien, Ghana, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Mazedonien, Serbien sowie der Senegal als sichere Herkunftsländer deklariert. Dies meint, dass in diesen Ländern keine Bedrohung durch Bestrafung oder erniedrigende Behandlung droht oder stattfindet. Deshalb ist es sehr schwer, Schutz durch Asyl zu bekommen, wenn man aus einem dieser Länder stammt. Quelle: BAMF

10. Subsidiärer Schutz

Wenn der Flüchtlingsschutz oder die Asylberechtigung nicht gewährleistet wird, im Herkunftsland jedoch ernsthafter Schaden droht, kann der subsidiärer Schutz gewährt werden. Dieser Schutz gilt Personen, welche Gründe vorbringen können, dass ihnen in ihrem Herkunftsland ernsthafter Schaden droht. Schaden kann von staatlichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Beispiele von Gründen können drohende Todesstrafe, Bedrohung durch Folter oder ernsthafte Bedrohung des Lebens durch willkürlicher Gewalt innerhalb eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konfliktes sein. Der subsidiärer Schutz wird für mindestens ein Jahr gewährt, kann aber um bis zu zwei Jahre verlängert werden.
Quelle: BAMF























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Stand: Ende 2015
Quelle: UNO-Flüchtlingshilfe

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Stand: Ende 2015
Quelle: UNO-Flüchtlingshilfe

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Noch nie kamen so viele Schutzsuchende nach Deutschland wie in den letzten zwei Jahren. Das stellt nicht nur die Politik, sondern auch die Franken vor Herausforderungen. Doch wie stehen die Nürnberger zu dem Thema Flüchtlinge? Wir haben uns in der Altstadt umgehört.

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Prof. Dr. Sebastian Büttner ist Soziologe an der FAU Erlangen-Nürnberg mit dem Schwerpunkt auf Europäisierung, Transnationalisierung und Kultursoziologie. Aus Expertensicht erklärt er wichtige Zusammenhänge zum Thema Integration und der Angst vor dem Fremden.

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476.649 Asylanträge hat das BAMF im Jahr 2015 entgegengenommen – eine Rekordzahl, noch nie kamen so viele Schutzsuchende in Deutschland an. Inwiefern verändert eine so große Anzahl an neuen Bewohnern eine Gesellschaft? 

Büttner: Der starke Zustrom an Flüchtlingen und Asylsuchenden in den vergangenen Jahren hat ohne Zweifel zu einer starken Belastung – zum Teil wohl auch zu einer Überlastung – der Verwaltung, insbesondere der lokalen Behörden und vieler Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Sozialämtern, Bürgerämtern, Gesundheitsämtern und Ähnlichem geführt. Die bürokratische Bearbeitung dieser starken, kurzfristigen Zuwanderung wird die Behörden wohl noch lange andauern.

Man muss aber auch sagen, dass gerade viele Bürgermeister und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Behörden auf lokaler Ebene sehr, sehr gute Arbeit geleistet haben - nicht zu vergessen viele freiwillige Helfer und Helferinnen und lokale Initiativen, die sich zum Teil aufopfernd für die Betreuung der Ankommenden engagieren. Denn man darf bei allem Lob für die öffentlichen Behörden nicht vergessen: ohne das Engagement der Zivilgesellschaft wäre die Bearbeitung des Zustroms der vergangenen Jahre wohl nicht so bewältigt worden, wie es derzeit der Fall ist.

Und dies hat auch damit zu tun, dass das Problem von der Politik und leitenden Ministerien in Deutschland und in anderen Mitgliedsländern über Jahre ignoriert und missachtet wurde. Die überfüllten Boote im Mittelmeer gibt es nicht erst seit dem Sommer 2015. Italien und Griechenland haben schon Jahre zuvor über Überlastung geklagt. Deutschland und die anderen EU-Länder haben das Problem jedoch schlichtweg ignoriert und sich über Jahre auf der Drittstatten-Regel des Dublin-Abkommens ausgeruht. Die Bilder einer "Flüchtlingsflut" und einer Überlastung sind somit auch ein Ergebnis der jahrelangen Ignoranz und der mangelnden europäischen Koordination.

Inwieweit dies die deutsche Gesellschaft beziehungsweise die Bevölkerung in Deutschland langfristig verändern wird, ist schwer vorherzusagen. Fest steht, dass sich die Auswirkungen wohl lokal sehr unterschiedlich zeigen werden. Je nachdem, wie die Unterbringung und Integration der Geflüchteten und Asylsuchenden organisiert ist und funktioniert. Sehr viel hängt natürlich davon ab, welchen Status die Geflüchteten und Asylsuchenden mittelfristig erhalten, wie viele am Ende langfristig bleiben werden und inwiefern es gelingt, die Neuankömmlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Welche Rolle spielen hierbei kulturelle Unterschiede?

Büttner: Natürlich lassen sich kulturelle Unterschiede nicht einfach ignorieren und wegdiskutieren. Was man jedoch beeinflussen kann, ist die Frage, ob man in interkulturellen Situationen stets die Unterschiede betont oder ob man sich aufeinander zubewegt, prinzipiell offen ist und vielleicht auch nach Gemeinsamkeiten und Möglichkeiten der Verständigung sucht. Für Migranten bedeutet dies natürlich ganz zentral, dass ich mich darum bemühe, möglichst schnell die Sprache und grundsätzliche Gepflogenheiten eines Gastlandes kennenlerne und auch anerkenne. Wer sich hier stets hinter kulturellen Unterschieden versteckt und diese betont, wird es auch schwer haben mit der Eingewöhnung und Integration in der neuen Umgebung.

Umgekehrt ist es natürlich aber auch so, dass von der anderen Seite hier natürlich auch ein Mindestmaß an Offenheit und Zugewandtheit ausgehen und signalisiert werden muss – und diese müsste über die reine bürokratische Bearbeitung hinausreichen.

Woher rührt die Angst vor dem „Fremden“ beziehungsweise den „Anderen“?

Büttner: Die Angst oder besser: die Furcht vor Fremden kann natürlich sehr unterschiedliche Ursachen haben. Sie beruht wohl in erster Linie auf einer prinzipiellen Unsicherheit gegenüber „dem Unbekannten“ und gegenüber den Unwägbarkeiten, die ein Kontakt mit einer Person, die man nicht  
einschätzen kann, mit sich bringt.

Die Furcht vor Fremden kann sich jedoch aus ganz unterschiedlichen Quellen speisen und ist unter der Bevölkerung auch sehr unterschiedlich verteilt. Es gibt Menschen, die Begegnung mit Fremden und unbekannten Menschen geradezu suchen und als Bereicherung empfinden. Andere Menschen empfinden die Begegnung mit Fremden eher als unangenehm und belastend.

Wie ist das zu erklären?

Es hat sicher mit Vorerfahrungen zu tun, möglicherweise auch mit eigenen Erfahrungen, wie es ist und wie es sich anfühlt, „in der Fremde“ zu sein. Häufig beruht die Furcht vor Fremden jedoch auch auf gewissen auf Stereotypen, auf kollektiv geteilten Geschichten, Erzählungen und Mythen. Diese werden oft als „irrationale Ängste“ abgetan, sind jedoch in ihrer Wirkung nicht zu unterschätzen.

Eine besondere Rolle spielen sicherlich auch soziale Abstiegsängste und andere soziale Ängste, die aus einem Gefühl der Unterprivilegierung und aus einem Gefühl der Konkurrenz entstehen. Vor allem dann, wenn die Fremden als Bedrohung der eigenen Position und der eigenen sozialen Lage wahrgenommen. Auch diese Ängste sind nicht zu unterschätzen und sie spielen sicherlich auch in der aktuellen Debatte in Deutschland keine geringe Rolle.

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Gibt es eine Möglichkeit soziologisch zu definieren wie erfolgreiche Integration stattfinden kann?

Büttner: Der Integrationsbegriff galt lange Zeit sicher als ein Schlüsselbegriff der Soziologie. Es gibt jedoch starke Abweichungen zwischen der Verwendung des Integrationsbegriffs in der Soziologie und in der öffentlichen Debatte. Ganz allgemein gesprochen lässt sich jedoch sagen, dass mit dem Begriff „Integration“ in der Regel ein Prozess des Zusammenfügens oder Zusammenwachsens von zum Teil sehr disparaten Einheiten zu einer größeren gemeinsamen Einheit verstanden werden. Einen Zustand vollständig abgeschlossener „Integration“ wird es in modernen, sich dynamisch verändernden Gesellschaften nicht geben. Der Zustand der Totalintegration ist eine Utopie, die wohl noch nicht mal wünschenswert ist, weil dies am Ende wohl Stillstand und Stagnation bedeuten würde.

Ohne Zugang zu Bildung, Arbeit und Weiterbildung ist keine gelingende Integration möglich. Dies wäre die Kurzformel auf die man die Integrationsfrage herunterbrechen kann. In einem weiteren Sinne kämen dann andere soziale und politische Teilhaberechte, aber auch Anknüpfungspunkte für soziale Kontakte im Alltagsleben hinzu. Wie man in den aktuellen Debatten jedoch sehen kann, ist die Bereitschaft für ein solches Verständnis von „gelingender“ Integration nicht bei allen Gesellschaftsmitgliedern gleich hoch. Genau daran entzünden sich dann ja dann die politischen Debatten.

Was genau bedeutet eigentlich „Fremdenfeindlichkeit“? Woher kommt dieser Begriff?

Büttner: Fremdenfeindlichkeit bedeutet eine zum Teil aggressive Ablehnung von Menschen anderer Herkunft, also aus einem anderen Land, Kulturkreis, anderer ethnischer und/oder religiöser Abstammung. Sie speist sich in der Regel aus Ressentiments und sozialen Ängsten, die ihre Ursache zum Teil aus sehr lange bestehenden, kollektiv geteilten sozialen Grenzziehungen haben können, etwa die traditionelle, feindschaftliche Abgrenzung zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen, oder sich auch aus sehr konkreten sozialen Statusunsicherheiten speisen.

Häufig geht Fremdenfeindlichkeit auch mit der politischen Mobilisierung von entsprechenden Ressentiments und Grenzziehungen durch strategische politische Akteure oder durch soziale Bewegungen einher. Genau dies ist etwa bei Pegida oder anderen fremdenfeindlichen Gruppierungen und Parteien der Fall.

Die Verkaufszahlen von frei erhältlichen Waffen wie Pfefferspray sind nach der Silvesternacht in Köln 2016 rapide angestiegen, ebenso die Zahl der Anträge für den kleinen Waffenschein. Wie erklärt sich der Trend Waffen zu tragen aus soziologischer Sicht und was kann das für Folgen mit sich bringen?

Büttner: Die Tendenz lässt sich vordergründig soziologisch zunächst relativ leicht erklären: Je höher das
individuelle Gefühl der Unsicherheit von Leib und Leben, desto stärker die Tendenz, sich mit entsprechenden Maßnahmen gegen mögliche Gefahren zur Wehr zu setzen. In unserer Gesellschaft sind wir es jedoch eigentlich gewohnt, dass sich nicht die Individuen selbst zur Wehr setzen, sondern, dass der Staat das Monopol über die Ausübung von Waffengewalt hat und wir uns im Falle eines Streites an die Polizei und an den Rechtsstaat wenden können.

In bestimmten Momenten ,wie in der Silvesternacht in Köln, beziehungsweise durch Berichte über solche Ereignisse oder durch eigene Bedrohungserlebnisse, bei der man die Erfahrung gemacht, dass die Polizei in der Not nicht unmittelbar einschreiten und helfen kann, kann bei einer wachsenden Zahl von Menschen das Gefühl entstehen, dass man sich selbst schützen und dabei notfalls selbst mit Waffengewalt zur Wehr setzen kann. Ich halte diese Tendenz prinzipiell natürlich für äußerst bedenklich.

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Flüchtlinge sind kriminell und alleine ist man draußen nicht mehr sicher - Vorurteile wie diese haben sich in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt. Doch wie steht es wirklich um die Kriminalität durch Flüchtlinge im Regierungsbezirk und wie verlässlich sind die Statistiken? Der erste Kriminalhauptkommissar Günter Lang gibt einen Überblick.

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Bei der Aussagekraft der Statistiken zur Kriminalität im Kontext von Zuwanderung gibt es jedoch ein großes Problem: Über den Anstieg der Delikte lässt sich keine repräsentative Aussage treffen, da uns wichtige Referenzwerte fehlen. Es gibt keine konkrete Einwohnerzahl und auch wird nicht registriert, ob hier zum Beispiel jemand nur arbeitet oder zugewandert ist. Das heißt, uns fehlt quasi der Wert der Bevölkerungsentwicklung, der mit der Anzahl der Straftaten verglichen werden sollte. Genau dasselbe Problem tritt bei der Staatsangehörigkeit auf. Die Statistiken zu diesem Thema zeigen also nur Näherungswerte.

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Für mich ist das eigentlich keine Überraschung. Die Menschen leben in einer schwierigen Wohnsituation, oft auf engem Raum. Sie sind psychisch vorbelastet und zum Teil traumatisiert. Hinzu kommen ethnische Konflikte und ein stärkerer Kontakt zu Alkohol, als es in ihren Heimatländern der Fall war. Da entstehen natürlich auch mal Auseinandersetzungen untereinander.

Die Integration ist hierbei ein ganz wesentlicher Faktor. Oft kommt es zu Konflikten, wenn sich die Jüngeren schneller integrieren als die Älteren oder die Frau früher als ihr Mann. Nur, dass diese Menschen in der Unterkünften quasi unter Beobachtung stehen und Auffälligkeiten sofort gemeldet werden. In den meisten Fällen betreffen diese Straftaten nicht die Öffentlichkeit oder Nachbarschaft.

Sicherheit in der Öffentlichkeit

Die Angst sich an öffentlichen Plätzen aufzuhalten, ist meiner Meinung nach nicht begründet, denn die Zuwanderung hat die allgemeine Sicherheitslage nicht negativ beeinflusst. Natürlich gibt es Orte, an welchen besonders viel Unruhe herrscht, wie die Königstorpassage, den Hauptbahnhof oder die umliegenden Grünanlagen. Neben dem einschlägigen Milieu, treffen sich hier nun auch immer wieder einige Zuwanderer, die in dieser Umgebung Straftaten begehen.

Wir reagieren darauf, indem wir an diesen Orten vermehrt Kontrollen durchführen. Dies macht sich dann aber wiederum in der Statistik bemerkbar. Wenn wir mehr kontrollieren, decken wir auch mehr Straftaten auf - die dann aber als Anstieg in der Kriminalitätsstatistik verzeichnet werden, und die Menschen glauben lassen, die Kriminalität sei angestiegen. Tatsächlich gibt es aber in diesem Zusammenhang dann keinen Anstieg der Kriminalität, sondern lediglich einen Anstieg der Straftaten die bekannt geworden sind und damit registriert werden (sog. Hellfeld).

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Die Zahl der Sexualstraftaten, bei denen mindestens ein Tatverdächtiger Zuwanderer ist, ist ebenfalls gestiegen, jedoch auf einem sehr niedrigen Niveau. An diesem Beispiel lässt sich aber ein zweites statistisches Problem erläutern: Erst am Ende der Ermittlungen, die bei komplexen Fällen zum Teil auch mal ein Jahr dauern können, geht ein Fall mit in die Statistik ein.

Das bedeutet allerdings, dass sich Fälle aus dem Vorjahr in das darauffolgende verschieben können und so einen vermeintlich extremen Anstieg vermitteln. Bisher war das kein Problem, aber durch die große Zuwanderungswelle im Sommer 2015 haben sich im Jahr 2016 vermehrt Fälle angesammelt.

Zusammenhang zwischen Herkunftsland und Straftat

Bestimme Tendenzen haben sich hier herauskristallisiert, so fallen Straftäter aus arabischen Ländern, wie Syrien, dem Iran oder den Maghreb-Staaten, überwiegend wegen Körperverletzungsdelikten auf. Im Punkt Betäubungsmittelkriminalität kommen die meisten Tatverdächtigen aus dem Iran. Bei den Straftaten durch Zuwanderer aus Osteuropa handelt es sich meist um Eigentumsdelikte, also Diebstahl.


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... die Motive der Täter 

Bei den Eigentumsdelikten ist weniger die Armut ausschlaggebend, Zuwanderer stehen tendenziell finanziell nicht schlechter da, als andere hilfsbedürftige Menschen in Deutschland. Die Motive sind dieselben, wie bei den Nicht-Zuwanderern – die Gelegenheit, die Gier oder eine Beeinflussung durch Alkohol oder Drogen. Aber auch hier ist der Punkt Integration ein wichtiger Aspekt: Wie wird Eigentum gesehen? Wie definiert man diesen Begriff? Da gibt es weltweit unterschiedliche Ansichten.

... Stigmatisierung von Flüchtlingen

Die Menschen sehen und hören gerne das, was sie sehen und hören möchten und blenden vieles aus. Das ist alles sehr kompliziert. Jeder, der meint darauf schnelle Antworten zu wissen, stigmatisiert ein Stück. Man liest jeden Tag etwas, das nicht stimmt, man hört Aussagen von Politikern, bei welchen man sich denkt, das ist jetzt aber so nicht richtig. Es gibt einfache Lösungen, die stigmatisieren und es gibt komplizierte Lösungen, die vielleicht etwas weiter bringen. Aber es gibt Stigmatisierungen, eindeutig. Doch auch etliche Flüchtlinge selbst tragen dazu bei, da sie sich nicht angemessen verhalten.

... wirksame Gegenmaßnahmen

Geeignete Gegenmaßnahmen sind aus meiner Sicht Sicherheitsdienste in den Unterkünften ab einer bestimmten Größe. Eine geschickte Bewohneraufteilung auf die Heime würde deeskalativ wirken, da dies ethnische Konflikte innerhalb der Unterkünfte stark vermindern würde. Das war natürlich im ersten Zug überhaupt nicht möglich, da es zu dieser Zeit schlichtweg an Räumlichkeiten gemangelt hat. Bei der Wohnungszuteilung sollte Ghettobildung vermieden werden, zum einen um die Sicherheit aufrechtzuerhalten, zum anderen, um auch die Integration zu fördern.  Das ist natürlich einfacher gesagt, als getan.

Aber der gute Wille ist da.

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Mit Begriffen wie „Asyl-Erpressern“, „Abhauern“ und „Einwanderungseinbrechern“ polarisiert Godehard Schramm bei Franken. Der in Nürnberg lebende Autor war unter anderem Kolumnist von “Besonderland” im Fürther Landkreismagazin - bis der 73-Jährige in einigen Kapiteln seines neuen Buches „WeitLandWeit - GroßstadtlosGroß“ scharfe Worte wählte. Wir haben den „Asylkritiker“ um ein Gespräch gebeten.


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Herr Schramm, Ihre Äußerungen haben manche Leser entsetzt. Es heißt, Sie hätten Ihre Worte mit Bedacht gewählt. Haben Sie mit diesen Reaktionen gerechnet?

Schramm: Ich wähle meine Worte in der Regel immer mit Bedacht. Deshalb heißt das Kapitel auch nicht „Sympathiebrief“, sondern „Zornbrief nach Sibirien“. Die Abfolge der Reaktionen ist dabei auch interessant.
Zuerst wurden mir vom stellvertretenden Landrat Mück die Fördermittel für mein Buch entzogen, mit der Begründung, man hätte bei der Zusage noch nichts über den Inhalt gewusst. Das ist jedoch falsch, ich hatte meine Korrekturmanuskripte aufgehoben und konnte das nachvollziehen. Nachdem in der Umsonstzeitung „Woche im Blick“ darüber berichtet wurde, erschien bereits am Tag darauf auf der Titelseite der Nürnberger Nachrichten einen Artikel mit der Bemerkung „Skandalöse Entgleisungen“. Tags darauf folgte ein Artikel „Distanz zu Schramm“. In diesem äußerten sich Landräte und Intellektuelle. Unter den Intellektuellen gab es jedoch nur einen: Hermann Glaser, einer meiner langjährigen Freunde. Er sei bitter enttäuscht von mir und darüber, was ich über Flüchtlinge schreibe. Er selbst habe mit seiner Frau doch ein vietnamesisches Flüchtlingskind adoptiert. Und dann die Konsequenz: Null Toleranz gegen Intoleranz. Ich habe mit so einer Reaktion auf das Buch überhaupt gar nicht gerechnet. Es ist eine Art von Meinungsdarstellung, die einem Schriftsteller zusteht. Nur die Ausmaße sind so, dass innerhalb einer sehr kurzen Zeit die Anklageerhebung in der Zeitung zu lesen ist, tags darauf schon die erste Urteilsverkündung kommt und der Fürther Landrat sagt, dass die Kolumne sofort eingestellt wird.

Sie waren also sehr enttäuscht von den Reaktionen?

Schramm: Auf jeden Fall. Für einen Kulturempfang der beiden Staatsminister wurde ich durch das Kultusministerium für eine Lesung eingeladen. Ende März kam eine Absage mit der Mitteilung, man tue mir keinen Gefallen, mich in diesem Presselicht auftreten zu lassen. Das geht aber so nicht. Man kann mir nicht aufgrund von Unterstellungen und Behauptungen das Wort entziehen. Begründung: fehlt bis heute. Man kann sie sich natürlich denken. Aber der Vorwand, mich sozusagen aus dem Schussfeld zu nehmen - das ist Trickserei. Jeder CSU-Staatsminister weiß, dass wir Wahljahr haben und wenn in der Zeitung steht, dass ich vielleicht noch Mitglied bei der AFD bin oder Rechtspopulist - sowas können die sich nicht ans Bein heften.

Das heißt für Sie hat sich auch einiges geändert?

Schramm: Eine extreme Änderung. Ich weiß, wie Zensur stattfindet und wie man jemandem - indem man bestimmte Drähte einfach durchschneidet - sagt: „Wir wollen das so nicht“. Aber, dass mir das jetzt am eigenen Leibe widerfährt? Ich bin freischaffend und muss auch den finanziellen Faktor im Blick behalten. Das ist schon eine sehr eigenartige Erfahrung. Ich bin nun nicht so vermessen stolz zu sein, aber dass ein Buch so eine ungeplante Wirkung hat, ist schon etwas Besonderes.

Sie schreiben von „Abhauern aus verschiedenen afrikanischen Ländern sowie aus Syrien”, von “Asyl-Erpressern” oder “Einwanderungs-Einbrechern“. Das wirkt schon pauschalisierend.

Schramm: Ich habe bewusst und übertrieben so verallgemeinert sowie die Menge als eine einzige Masse wahrgenommen. Um auf diese Definition von „Flüchtlingen“ zu kommen: Ich bin ein ganz normaler Bürger der seine Zeitung liest und dann entweder ARD oder ZDF Nachrichten geguckt hat. Und was sieht er da? Er reibt sich die Augen und wundert sich, wie wohlgekleidet viele der zuströmenden Menschen sind, mit Handys versorgt und offensichtlich auch zwischendurch Geld haben, um sich ein Bahnticket von Budapest nach Wien zu kaufen. Wenn in früheren Zeiten junge Leute aus dem deutschen Reich nach Frankreich oder in die Schweiz geflüchtet sind, wären sie wegen Fahnenflucht erschossen worden. Was mich außerdem beschäftigt hat: Diese " Flüchtlinge" sind ja auch nicht zufrieden mit dem nahegelegen Bulgarien, auch nicht mit Albanien und Griechenland, es musste mindestens Österreich, Deutschland oder Schweden sein.

Viele Geflüchtete haben uns von schlimmen Erfahrungen während ihrer Zeit in den Balkanländern erzählt, wir alle kennen die Bilder aus Ungarn. Ist es dann nicht nachvollziehbar, dass sie in ein Land weiterreisen, wo es fair und menschlich zugeht und sie keine Gewalt fürchten müssen?

Schramm: Das leuchtet mir schon ein, dass es dafür ein Motiv gibt. Ich muss zugestehen, dass ich nicht an der Grenze oder am Münchner Hauptbahnhof gewesen bin und jeden Einzelnen gefragt habe, aus welchen Motiven sie zu uns gekommen sind. Ich habe einfach nur diese Flut von Menschen gemeint - von denen der ein oder andere sicherlich lautere Motive hat, dass eben beispielsweise Zuhause alles zerbombt wurde. Ein vielschichtiger Komplex, gleichwohl nehme ich mir einfach die Freiheit heraus, zu sagen, es sind bestimmt nicht hundert Prozent der Fälle, die ein gutes Motiv haben.

Sie sehen auch, dass es Menschen gibt, die herkommen und wirklich Hilfe brauchen.

Schramm: Natürlich, ich bin ja auch nicht blind. Und wir sind uns wohl einig, dass es nicht nur die Ebene gibt, welche ich dargestellt habe. Da sind lauter integre und unbescholtene Menschen, denen alles kaputt gegangen ist und im Gefolge von denen schließt sich mancher an. Ich möchte mit dieser Zuspitzung die Leute mal hellhörig machen, dass es so etwas gibt und auch irgendwo eine Bedrohungslage wächst. Vor einem Jahr wäre doch niemand auf die Idee gekommen, vor den Nürnberger Christkindlmarkt Betonklötze zu stellen. Da hat sich plötzlich eine Art von Unsicherheitsgefühl ausgebreitet, davon bin ich überzeugt - vielleicht aber nicht mehr so überspitzt wie ich das im Buch gemacht habe.

Aber man kann schon sagen, dass die Äußerungen etwas Rechtspopulistisches haben.

Schramm: Ich bin sehr vorsichtig geworden mit solchen Adjektiven. Im Johannesevangelium steht „Am Anfang war das Wort“. Der Satiriker ergänzt: “Und der Teufel hat die Adjektive dazu gemalt“. In einer Studie heißt es „Vorsicht vor Begriffen, Begriffe sind eine ganz dick zusammengebackene Masse von verschiedenen Eindrücken. Und jeder deutet sie, wie er sie gerne haben möchte.

Wenn Sie nun sagen: Vorsicht vor Begriffen - weshalb waren Sie dann so unvorsichtig im Umgang bei Ihrer Begriffswahl? Stichwort „Asyl-Erpresser“ oder „Abhauer“?

Schramm: Ich habe diese Wortschöpfungen absichtlich gewählt. Ich habe eben nicht Begriffe wie „Faschismus“ oder „Islamismus“ verwendet, sondern diese mit Tätigkeiten verbunden. Die Abhauer, die Erpresser, die Einwanderungseinbrecher.

Wörter wie „Einwanderungseinbrecher“ oder „Asyl-Erpresser" haben aber schon eine sehr eindeutige Bedeutung?

Schramm: Natürlich. Aber es ist ein Einbruch in unsere rechtsstaatliche Stabilität, der nun mal geschieht. Ich will ja für meine Definition kein Ausschließlichkeitsprädikat und dann am Ende noch einen Rechtsanspruch fordern. Das ist ja auch das Gute, dass wir zum Diskurs begabte Menschen sind. Mit diesen unreinen Begriffen zu leben, gehört wohl auch dazu - genauso wie das Unberechenbare. Und jetzt gerade in dem fast zerbrochenen Verhältnis zu Hermann Glaser: Ich muss nicht Recht haben. Vielleicht gibt es auch irgendwo einen Spalt, wo wir uns wieder verständigen können.
 
Es scheint, als kümmere es sie aber auch nicht, wie die Leute nun von ihnen denken?

Schramm: Nein. Aber ich bereue es auch nicht, dass die Leute so von mir denken. Man soll sich nicht verbiegen lassen. Es gibt eine schöne volkstümliche Formulierung: „Mache aus deinem Herzen keine Mördergrube“. Ich kann es ja jetzt auch nicht mehr aus der Welt schaffen, es besteht nun mal eben jetzt und wird mir bis ans Lebensende sozusagen als Kerbe anhaften. Was man halt auf dem Kerbholz hat.

Sie sind sehr gläubig, da spielt Nächstenliebe doch eine entscheidende Rolle. Könnten Sie sich vorstellen, selbst einen Flüchtling aufzunehmen?

Schramm: Das wäre gar kein Problem. Ich müsste das natürlich mit unserem Vermieter und meiner Frau besprechen. Wenn man sich irgendwie verständigen könnte, dann würde ich dem Flüchtling zeigen, was er beispielsweise in unserer Wohnung auf dem Dorf alles nutzen könnte und ich würde ab zu mal zum Rasen mähen oder so vorbeischauen. Das kann ich mir durchaus kurzfristig vorstellen, aber ein persönlicher Bezug zueinander müsste schon da sein.

Welches Fazit ziehen Sie nun aus all den Reaktionen?

Schramm: Es ist für einen Autor auch mal ganz gut, diese Auffassungen und Empfindungen wahrzunehmen, darauf zu hören und mir bewusst zu werden, dass manche das auch anders sehen. Damit ich nicht wie ein kleines trotziges Kind daran fest hänge. Das heißt jetzt nicht, dass ich es umschreibe, aber ich werde für künftige Situationen hellhöriger sein - und vorsichtiger bei absoluten Verallgemeinerungen.













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